Nach dem Hochhausbrand in London rechnen die Behörden mit 79 Todesopfern. Wie Polizeichef Stuart Cundy von Scotland Yard mitteilte, sei dies die Zahl der Toten und der für tot gehaltenen Vermissten. Sie könnte in den kommenden Tagen sogar noch weiter steigen, wenn die Einsatzkräfte bei ihrer schwierigen Suche weitere Opfer finden. Cundy zufolge dürfte dies noch Wochen andauern, noch könne die Feuerwehr nicht alle Wohnungen erreichen. 

Der Brand im Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen und hatte sich rasend schnell über die Fassade ausgebreitet. Viele Bewohner wurden im Schlaf überrascht, viele konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen. Sowohl die Behörden als auch das zuständige Bauunternehmen stehen in der Kritik. Die erst vor kurzer Zeit angebrachte Verkleidung des Gebäudes soll zu der Katastrophe beigetragen und das 28-stöckige Gebäude über keine angemessenen Fluchtwege verfügt haben.

Erstmals hat die Londoner Polizei Aufnahmen aus dem Inneren des ausgebrannten Hochhauses veröffentlicht. Auf den Fotos und Videos lässt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe erkennen: Die Wohnungen wirken wie Kriegsruinen, nur mit Mühe sind zwischen Schutt und Asche eine ausgebrannte Waschmaschine, eine Badewanne, ein Geschirrbecken sowie das Gerippe eines Fitnessrads zu erkennen. "Es ist unglaublich schwierig, die Zerstörung in einigen Teilen des Gebäudes in Worte zu fassen", sagte Cundy.

Auch dieses Foto der Londoner Polizei zeigt das Ausmaß der Zerstörung in dem Grenfell Tower. © Metropolitan Police/AP Photo/dpa

Am Mittag gedachten Menschen in ganz Großbritannien während einer Schweigeminute der Opfer des Hochhausbrandes. In öffentlichen Gebäuden und in Schulen, auf Sportveranstaltungen und auf der Straße fanden kurze Zeremonien des Gedenkens statt. Am Grenfell Tower verneigten sich Mitglieder der Bergungsmannschaften.

London - Behörden gehen von mindestens 79 Toten bei Großbrand aus Die Londoner Polizei geht allerdings davon aus, dass sich die Zahl noch verändern könnte. Manche Opfer seien vielleicht noch nicht als vermisst gemeldet worden. © Foto: Tolga Akmen, AFP/Getty Images