Bei einem Brand des Hochhauses Grenfell Towers im Londoner Stadtteil North Kensington sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Laut Polizei werden noch immer mehrere Menschen vermisst. "Leider erwarte ich nicht, dass es noch mehr Überlebende geben wird", sagte ein Sprecher von Scotland Yard. Eine genaue Zahl nannte er nicht. In Krankenhäusern wurden 79 Menschen behandelt, 18 von ihnen seien in einem kritischen Zustand.

Die Bergung könnte den Einsatzkräften zufolge Tage dauern. Laut eines Experten vor Ort besteht aber keine Einsturzgefahr. Das Feuer in dem Gebäude mit 24 Stockwerken war in der Nacht aus noch unbekannter Ursache ausgebrochen. Rettungskräfte sind laut Feuerwehr mittlerweile bis ins 24. Stockwerk vorgedrungen. Sie haben nach eigenen Angaben 65 Menschen gerettet. Noch immer lodern einzelne Brandherde – mehr als 16 Stunden nach den ersten Notrufen.

Augenzeugen zufolge war das Feuer im unteren Teil des Gebäudes ausgebrochen und hatte sich dann nach oben auf den gesamten Wohnkomplex ausgebreitet. Kilometerweit waren die dunklen Rauchschwaden zu sehen. Scotland Yard hat eine Notfallnummer eingerichtet für Menschen, die Freunde und Familienangehörige vermissen. Für die Evakuierten richtete die Polizei in der nahe gelegenen St.-Clemens-Kirche eine Erstunterkunft ein.

Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 200 Leuten und 45 Löschfahrzeugen im Einsatz. Die Notfalldienste schickten 100 Mediziner. Augenzeugen berichteten von Schreien und von Menschen, die aus dem brennenden Gebäude gesprungen waren. Große Trümmerstücke stürzten von dem Gebäude. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei hat alle Wege weiträumig abgeriegelt. 

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich "tief betroffen von den tragischen Todesfällen". Mays Büro teilte mit, sie lasse sich über die Entwicklung auf dem Laufenden halten. Die Bundesregierung würdigte den Kampf der Rettungskräfte gegen die Flammen. "Es ist heroisch, wie die Feuerwehr gegen den Brand um das Leben der Menschen, die sich noch in dem Haus befinden, kämpft", sagte eine Regierungssprecherin.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden."

Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea sind in dem Hochhaus 120 Wohnungen untergebracht. Es wurde 1974 errichtet und soll umfassend modernisiert worden sein. Allerdings hatte sich ein Anwohner-Kollektiv bereits vor einem Jahr über unzureichenden Feuerschutz beschwert. Während Umbauarbeiten gebe es nur einen Zugang zu dem Gebäude, heißt es in einem Blogeintrag der Grenfell Action Group. "Die Möglichkeit, dass in der Eingangshalle ein Feuer ausbricht, ist fast unvorstellbar", heißt es. "Die Einwohner würden in dem Gebäude in der Falle sitzen, ohne jede Fluchtmöglichkeit."