Der afghanische Berufsschüler, der am Mittwoch in Nürnberg im Rahmen eines umstrittenen Polizeieinsatzes zur Abschiebung festgenommen werden sollte, hat laut Angaben der Polizei mit einer Gewalttat gedroht. Als Polizisten ihn von einem von Demonstranten umstellten Streifenwagen in ein in der Nähe stehendes Polizeifahrzeug bringen wollten, habe er wütend gerufen: "Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um", sagte der Nürnberger Polizeidirektor Hermann Guth. Gegen den Einsatz der Beamten habe sich der 20-Jährige aggressiv zur Wehr gesetzt.

Die Polizeiaktion war von Mitschülern des Afghanen mit einer Sitzblockade und einer spontanen Demonstration behindert worden. Als die Streifenbeamten Verstärkung anforderten, kam es zu Tumulten. Neun Polizisten wurden verletzt, fünf Menschen vorübergehend festgenommen. Gegen einen 22-Jährigen wird nach Informationen des Bayerischen Rundfunks ermittelt, weil er einen Polizisten angegriffen haben soll.

In Abschiebehaft kam der Afghane nicht. Das örtliche Amtsgericht lehnte einen entsprechenden Antrag der Ausländerbehörde von Mittelfranken ab. Die Behörde kann dagegen noch Beschwerde einlegen. Als der Berufsschüler am Mittag das Gericht verließ, wurde er von 25 Schulkameraden und seinem Klassenlehrer empfangen.

Jahrelange Täuschung beim Pass

Der mittelfränkische Regierungspräsident Thomas Bauer (CSU) warf dem Afghanen vor, die bayerischen Ausländerbehörden jahrelang bezüglich seines Passes getäuscht zu haben. Demnach reiste er Anfang 2012 illegal nach Deutschland ein. Nach Ablehnung seines Asylantrags sei er acht Mal aufgefordert worden, sich für die Rückführung in sein Heimatland einen afghanischen Pass zu beschaffen. Das habe er jedes Mal abgelehnt.

Als der heute 20-Jährige schließlich im März eine Aufenthaltserlaubnis beantragt habe, habe er zur Überraschung der Zentralen Ausländerbehörde plötzlich einen bereits 2007 ausgestellten afghanischen Pass vorgelegt. Damit sei klar geworden, dass er die Behörden in der Passfrage seit Jahren getäuscht habe. "In dem Sinne ist das eine Straftat", sagte Bauer.