Nach Haft in Nordkorea - Von Nordkorea freigelassener US-Student gestorben Vor einer Woche hatte Nordkorea den US-Studenten Otto Warmbier freigelassen. Während seiner Haft war er ins Koma gefallen – nun ist er gestorben. © Foto: Kyodo / Reuters

Der kürzlich von Nordkorea freigelassene US-Student Otto Warmbier ist tot. Wie seine Familie mitteilte, starb er in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Cincinnati. Sie wolle sich nun nicht auf das konzentrieren, was sie verloren habe – sondern auf ihren "warmen, einnehmenden und brillanten" Sohn, hieß es in einer Stellungnahme.

Der 22-Jährige hatte nach Darstellung von Ärzten während seiner Zeit in Nordkorea schwere Schädigungen am Gehirn erlitten und war im Wachkoma liegend in die USA zurückgebracht worden. Er konnte zwar die Augen öffnen und blinzeln, es gab aber keine Anzeichen, dass er auf Sprache oder Aufforderungen reagieren konnte.

Video: Otto Warmbiers Arzt Daniel Kanter zum Gesundheitszustand des Studenten (Quelle: CNN)


Woher die gesundheitlichen Schäden rührten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Führung in Nordkorea hatte US-Diplomaten gegenüber angegeben, Warmbier sei in der Haft in Nordkorea an Botulismus erkrankt – einer schweren Nahrungsmittelvergiftung. Er habe eine Schlaftablette eingenommen und sei nicht mehr aufgewacht. Die US-Seite zweifelt diese Darstellung an. Nach Meinung von Medizinern könnten die Schädigungen im Hirn von einem Sauerstoffentzug stammen. Hinweise auf ein Trauma, etwa durch Schläge auf den Kopf, hätten sich zunächst nicht gefunden.

US-Präsident Donald Trump macht Nordkorea für den Tod des Studenten verantwortlich. "Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern", hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Den Eltern sprach Trump sein Mitgefühl aus. 

Seit Anfang 2016 war Warmbier in Nordkorea inhaftiert gewesen: Vor etwa einer Woche, am 13. Juni, wurde der 22-Jährige aus "humanitären Gründen" entlassen. Warmbier wurde anschließend aus dem kommunistisch regierten Land ausgeflogen.

Ein US-Gesandter hatte sich in Schweden mit Mitarbeitern des nordkoreanischen Außenministeriums getroffen, um Warmbiers Freilassung zu verhandeln. Eine Woche vor der geplanten Übergabe des Inhaftierten erfuhr der Gesandte vom Gesundheitszustand Warmbiers. Die Eltern des Studenten, Fred und Cindy Warmbier, sagten, Nordkorea habe ihren Sohn misshandelt und terrorisiert. 

Warmbier war wegen Diebstahls eines politischen Banners von einer Hotelfassade zu einer 15-jährigen Gefängnisstrafe mit Zwangsarbeit verurteilt worden. Er war im Januar 2016 am Flughafen festgenommen worden, als er zusammen mit seiner Reisegruppe das Land verlassen wollte.

Während einer Pressekonferenz vor seinem Prozess hatte der Mann unter Tränen gestanden, die Tat begangen zu haben. Den Diebstahl des Banners bezeichnete er als "den schlimmsten Fehler meines Lebens". Die US-Regierung hatte Warmbiers Strafe als völlig unverhältnismäßig kritisiert.

Der Arzt Daniel Kanter hatte nach seiner Rückkehr in die USA bei Warmbier einen desolaten Gesundheitszustand diagnostiziert. Der Student reagiere weder auf Sprache noch Aufforderungen und zeige keinerlei Anzeichen, dass er seine Umgebung überhaupt wahrnehme, sagte Kanter. Der Student könne lediglich selbstständig atmen und unkontrolliert blinzeln. "Am besten lässt sich sein Zustand als reaktionslose Wachheit beschreiben", sagte Kanter. Es gebe "erhebliche Verluste an Gewebe in allen Teilen seines Hirns".

Außenminister Tillerson will wegen inhaftierter US-Bürger vermitteln

Aktuell befinden sich noch mindestens drei weitere US-Bürger in Nordkorea in Haft. Außenminister Rex Tillerson sagte, die US-Regierung stehe mit der Staatsführung in Pjöngjang wegen der noch inhaftierten US-Bürger in Kontakt.

In den vergangenen Wochen waren zwei Universitätsmitarbeiter mit US-Staatsbürgerschaft festgenommen worden. Ihnen wurden "feindselige Akte" und der Versuch eines Umsturzes angelastet. Beide Männer arbeiteten nach nordkoreanischen Angaben an der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang (PUST), die von protestantischen Christen aus dem Ausland gegründet wurde. Außerdem wurde 2015 ein US-koreanischer Pastor in Nordkorea festgenommen und wegen Subversion und Spionage zu einer zehnjährigen Haftstrafe mit Zwangsarbeit verurteilt.

Der Tod Warmbiers fällt in eine Periode verschärfter Spannungen zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten. Trump hat seit seinem Amtsantritt im Januar den Druck wegen des nordkoreanischen Atomprogramms erhöht. Seine Regierung schloss auch ein militärisches Vorgehen nicht aus. Nordkorea provozierte die internationale Gemeinschaft immer wieder mit Raketentests.