Das Feuer, das sich vor allem im Kreis Pedrógão Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lissabon ausbreitet, ist offenbar durch einen Blitzschlag ausgelöst worden. Am Samstagnachmittag habe sich über dem betroffenen Gebiet ein Gewitter entladen, ohne dass es  regnete, sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, am Sonntag. "Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde."

Am Samstag herrschten in der betroffenen Region Temperaturen von teilweise mehr als 40 Grad Celsius. Schon im vergangenen Jahr war das Land von einer Serie schwerer Waldbrände heimgesucht worden, mehr als 100.000 Hektar Land (1.000 Quadratkilometer) verbrannten.

Waldbrände in Portugal

Am Samstag sind im Kreis Pedrógão Grande in Portugal schwere Waldbrände ausgebrochen.

Mindestens 62 Menschen wurden nun durch die Flammen getötet. Weitere 18 Verletzte werden in Krankenhäusern behandelt. Fünf Personen, darunter vier Feuerwehrmänner, sind schwer verletzt worden. Das Feuer wüte an zwei Fronten noch immer mit "großer Wucht", sagte Innenstaatssekretär Jorge Gomes. Rund 900 Feuerwehrmänner bekämpfen die Flammen mit 300 Fahrzeugen und zwei Löschflugzeugen.

Der Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern sei am Sonntag zunächst lange Zeit aufgrund der starken Rauchentwicklung völlig unmöglich gewesen, sagte Gomes. Die hohen Temperaturen, die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten, die feuerwehr habe den Brand jedoch inzwischen unter Kontrolle.

Einige Dörfer waren von den Flammen völlig eingekesselt worden, berichtete der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, der Zeitung Público (die Zeitung zeigt hier Bilder der Brände). 18 der Opfer waren mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als sie von den Flammen eingeschlossen wurden. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Die weiteren Opfer sind nach ersten Erkenntnissen an Rauchvergiftungen gestorben.

Ministerpräsident António Costa sagte nach einem Besuch am Sitz des Katastrophenschutzes, die Opferzahl könne noch weiter steigen. Es sei das schwerste derartige Unglück seit Jahrzehnten. Vorrang habe nun, Menschen zu retten und das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Danach müsse untersucht werden, wie sich die Flammen derart rasch ausbreiten konnten. Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa war in der Nacht zur Unglücksstelle geflogen und sprach dort von einer "beispiellosen Situation".

Unterdessen hat die Europäische Union Hilfe zugesagt. "Es wird alles getan werden, um den Behörden und den Menschen in Portugal in dieser Zeit der Not zu helfen", sagte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides. Über die Nothilfekoordinierung der EU würden Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt, die nun rasch entsandt würden. Zusätzlich helfe Spanien ebenfalls mit zwei Flugzeugen.

Auch Kanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zeigten sich "tief bestürzt" und boten der portugiesischen Regierung Hilfe aus Deutschland an.