Der bei einem Schusswaffenangriff verletzte US-Kongressabgeordnete Steve Scalise schwebt in Lebensgefahr. Der 51-jährige Politiker sei schwer verletzt worden und befinde sich nach einer Operation "weiterhin in lebensgefährlichem Zustand", teilte das Krankenhaus MedStar auf Twitter mit.

Scalises Büro hatte den Gesundheitszustand des Abgeordneten nach dem Angriff als "stabil" bezeichnet. Demnach war er vor der Operation bei Bewusstsein und telefonierte noch mit seiner Frau. Scalise ist majority whip im Repräsentantenhaus, eine Art Fraktionsgeschäftsführer. Er ist damit die Nummer drei der republikanischen Mehrheitsfraktion.

Der Abgeordnete war bei dem Angriff mit einem Gewehr auf ein Baseballteam aus republikanischen Kongressmitgliedern nahe Washington an der Hüfte getroffen worden. Der Angreifer erlag später den Verletzungen, die er bei einem Schusswechsel mit der Polizei erlitt. Neben Scalise wurden fünf weitere Menschen verletzt, unter ihnen zwei Polizisten, ein weiterer Abgeordneter, ein Lobbyist und ein Mitarbeiter eines Abgeordnetenbüros.

US-Präsident Donald Trump verurteilte die Tat und lobte die Arbeit der Polizei. Er rief Amerika zur Einigkeit auf. Die politischen Parteien hätten ihre Differenzen, sagte Trump. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass jeder, der in Washington diene, die Vereinigten Staaten liebe. 

Freiwillige Tätigkeit im Team Sanders

Nach bisherigem Ermittlungsstand handelte der Angreifer alleine. Das FBI bestätigte, dass es sich bei dem Schützen um einen 66 Jahre alten Mann aus dem Bundesstaat Illinois handelte. Man ermittle zu den Hintergründen und Motiven des Täters, hieß es in einer Mitteilung der Bundespolizei. Die Ermittler untersuchtem nach eigenen Angaben auch zwei Waffen, ein Gewehr und eine Pistole. Medienberichten zufolge soll der Schütze die Lizenz für seine Firma verloren haben.

Laut seinem Facebook-Profil engagierte er sich im Wahlkampf freiwillig für den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders. Sanders teilte mit, er sei "angewidert von dieser verabscheuungswürdigen Tat", die von einem Mann verübt worden sei, der sich offenbar in seiner Kampagne engagiert habe.

"Ich wusste, dass er mit der Art und Weise, wie die Dinge liefen und mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden war", sagte der Bruder des mutmaßlichen Schützen der New York Times. Die Tat komme für ihn allerdings vollkommen überraschend.

Lob für schnelle Reaktion der Polizei

Der Abgeordnete Mo Brooks aus Alabama sagte dem Sender CNN, der Angreifer habe es offensichtlich auf Politiker abgesehen gehabt. Scalise hatte auf dem Spielfeld gemeinsam mit 25 anderen Mitgliedern des Kongresses für ein Benefizspiel zwischen Republikanern und Demokraten trainiert, das für Donnerstag angesetzt war. Das Spiel hat eine mehr als 100-jährige Tradition.

US-Medien berichteten, der Angreifer habe zunächst mit Politikern auf dem Feld geredet und dann das Feuer eröffnet. Neben dem Gewehr soll er eine Pistole bei sich gehabt haben.

Der Senator Rand Paul lobte das rasche Eingreifen der Polizei: Die Beamten seien schnell vor Ort gewesen und hätten sofort zurückgeschossen. Dadurch sei Schlimmeres verhindert worden.