CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat mit einer als respektlos empfundenen Äußerung zu Minijobbern auf Twitter empörte Reaktionen ausgelöst. Zwölf Stunden später, nach zahlreichen Vorwürfen auch aus der SPD-Spitze, drückte Tauber sein Bedauern über die verunglückte Äußerung aus. Es tue ihm leid, dass er sein Argument "so blöd formuliert und damit manche verletzt habe".

Als Werbung für das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU und in Abgrenzung zur SPD hatte Tauber am späten Montagabend zunächst getwittert: "'Vollbeschäftigung' ist besser als 'Gerechtigkeit'". Auf die Nachfrage eines Twitternutzers – "Heißt das jetzt drei Minijobs für mich?" – erwiderte Tauber: "Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs."

In den kommenden Stunden gab es weit mehr als Tausend oft sehr kritische Antworten auf diesen Tweet – beispielsweise: "Es gibt Leute, die ohne 'Ausbildung' gute Arbeit finden und behalten. Und was 'Ordentliches' schützt nicht vor Minijobs." Tauber blieb bei seiner Position und entgegnete: "Nein leider nicht. Aber ohne Ausbildung geht es gar nicht oder?" Vorher hatte er einem User geantwortet: "Fakt ist doch: Nur mit einer guten Ausbildung verdient man genug, damit man nicht drei Mini-Jobs braucht, um über die Runden zu kommen." Viele weitere Antworten ließen nicht auf sich warten – auch von Usern, die darauf hinwiesen, dass sie trotz guter Ausbildung aus unterschiedlichen Gründen Probleme hätten, eine reguläre Arbeitsstelle zu finden.

Die politische Konkurrenz griff das Thema rasch auf. "CDU hat sich selbst entlarvt. Neoliberal, verachtend den Menschen gegenüber in prekären Jobs. Wird sich hoffentlich am Wahltag rächen", twitterte etwa der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat. Grünen-Chef Cem Özdemir schrieb: "Traurig, wenn eine 'christliche' Volkspartei den Bezug zur Lebenswelt der BürgerInnen verliert."

Auch aus den Reihen des Koalitionspartners kam Kritik. "Die pöbelnde Arroganz von Peter Tauber zeigt: der CDU fehlt der Respekt vor Geringverdienern. Wir wollen Vollbeschäftigung in guter Arbeit!", schrieb etwa SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte: "Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär."

Tauber versuchte zwischenzeitlich zu beschwichtigen: "Mini-Jobs sind an sich gut, aber nicht wenn man drei machen muss. Da haben sie recht. Das darf nicht Ziel sein und das wollte ich sagen." Schließlich erklärte er seine Absicht noch einmal ausführlicher: "Wer drei Minijobs braucht, um über die Runden zu kommen, der hat es nicht leicht. Und ich wollte niemandem zu nahe treten, der in so einer Situation ist", twitterte er und entschuldigte sich in demselben Tweet: "Es tut mir leid, dass ich mein eigentliches Argument – wie wichtig eine gute Ausbildung und die richtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind, damit man eben nicht auf drei Minijobs angewiesen ist – so blöd formuliert und damit manche verletzt habe."