Am Donnerstagabend eskalierte die von Hamburger Autonomen organisierte Anti-G20-Demo Welcome to Hell. Demonstranten und Polizisten geben sich gegenseitig die Schuld dafür. Die Polizei spricht von Aggressionen aus dem sogenannten schwarzen Block und vonseiten der Autonomen. Aber wer oder was sind diese Gruppen? Worin unterscheiden sie sich? Und wieso kommt es bei linken Demos immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei? 

1. Wer ist der schwarze Block?

Der schwarze Block ist weder Gruppe noch Bündnis, sondern eine Demonstrationstaktik. Sie hat ihren Ursprung in der Anti-Akw-Bewegung und den Protesten gegen die Startbahn West des Frankfurter Flughafens: Um sich vor Angriffen durch die Polizei zu schützen, vermummten sich die Demonstranten unter anderem mit Helmen. Die Bezeichnung schwarzer Block stammt von der Frankfurter Staatsanwaltschaft, die ihn das erste Mal in einem Urteil von 1981 so bezeichnete.

2. Warum gibt es den schwarzen Block?

Ursprünglich hatte der schwarze Block als Taktik die Funktion, sich zu schützen. Inzwischen dominiert jedoch ein symbolischer Aspekt: Durch einheitliche Kleidung soll Gewaltbereitschaft nach außen und innen signalisiert werden. "Es ist die Möglichkeit, Militanz darzustellen, ohne sie tatsächlich ausüben zu müssen", sagt Sebastian Haunss, der an der Universität Bremen zu Protesten und sozialen Bewegungen forscht und zur Autonomenbewegung promoviert hat. Der schwarze Block ist also ein Symbol, das Links- und inzwischen auch Rechtsradikale für sich nutzen, um Militanz und Opposition auf der Straße auszudrücken.

3. Wer läuft dort mit?

Da die Taktik von jedem genutzt werden kann, ist die Frage nur schwer zu beantworten. "Bei den linken Protesten in Griechenland vor einigen Jahren etwa bestand er vor allem aus Anarchisten, die auch Molotowcocktails warfen. So etwas gibt es in Deutschland gar nicht", sagt Haunss. Zu den G20-Protesten sind Tausende Demonstranten, linke und linksradikale, angereist, die sich ideologisch teilweise sehr stark unterscheiden. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der schwarze Block auf der Welcome-to-Hell-Demo aus nur einer Gruppe wie etwa Hamburger Autonomen bestand.

4. Was sind Autonome?

"Autonome sind eine antiautoritäre linksradikale Gruppierung, die eine hierarchiefreie Gesellschaft anstrebt", sagt Haunss. Der Protest auf der Straße ist dabei nur ein sehr kleiner Aspekt. Was Autonome auszeichnet, ist, dass sie ihr angestrebtes Ideal selbst leben: Beschlüsse werden in radikaldemokratischen Plenen gefasst, die Gruppen sind selbst hierarchiefrei aufgebaut. Die Welcome-to-Hell-Demo, die am Donnerstagabend eskalierte, wurde von Autonomen um das besetzte Haus Rote Flora angemeldet und mitorganisiert. Der Verfassungsschutz stuft Autonome als "Hauptträger linksextremistischer Gewalt" ein, die auch vor körperlichen Angriffen nicht zurückschreckten. Tatsächlich wollen sich die Autonomen nicht prinzipiell von Gewalt als Protestmittel distanzieren, sprechen hierbei jedoch von Gewalt gegen Dinge. Gewalt gegen unbeteiligte Personen lehnen sie ab. Eine umstrittene Ausnahme sind Polizisten.

5. Welche Rolle spielt die Polizei?

Die Polizei ist auf der Straße, wo sich militanter linker Protest meist abspielt, der Repräsentant eines Staates, den Autonome und andere radikale Linke ablehnen. Daher kommt es auf Demos wie in Hamburg oft zu Zusammenstößen. Aber neben dem ideologisch motivierten Widerstand gibt es auch eine Lust am Konflikt. "Die Polizei ist der Lieblingsfeind der Autonomen, aber die Autonomen sind auch der Lieblingsfeind der Polizei", sagt Sebastian Haunss. Es ist unklar, von wem die Eskalation bei der Welcome-to-Hell-Demo ausging.

6. Wie groß ist die linksradikale Szene in Deutschland?

Der Verfassungsschutz zählt jährlich das "Linksextremismuspotenzial" in Deutschland. Für 2016 schätzte er es auf 28.500 Personen. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Darunter waren 6.300 Autonome. Sebastian Haunss sagt allerdings, die Zahlen seien "völlig fiktive Kaffeesatzleserei". Es ist unklar, wie der Verfassungsschutz dieses Personenpotenzial ermittelt. Der Geheimdienst gibt selbst an, dass einige Zahlen geschätzt und gerundet seien.

7. Wie gefährlich sind Linksradikale?

Der Verfassungsschutz schreibt in seinem Extremismusbericht, Linksextremisten verfolgten das Ziel, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung und damit die freiheitliche Demokratie abzuschaffen und durch ein anderes System ersetzen zu wollen. Daraus erwächst für den Verfassungsschutz die Notwendigkeit, gegen diese Strömungen vorzugehen. Diese Sicht ist aber umstritten. "Es gibt keinen einzigen Anschlag von Autonomen in der Geschichte der Bundesrepublik, bei dem Menschen gestorben ist", sagt Sebastian Haunss. Linke Gewalt gegen Personen bestehe oft aus Farbbeutelanschlägen oder Eierwurf. Das steht in scharfem Gegensatz zu rechtsextremer Ideologie, die oft einen Entmenschlichungsansatz enthält und so Gewalt gegen Menschen rechtfertigt.