Was Hasan al-Ahmad von der Wohnungssuche erzählt, kennen viele Großstädter: die vielen Mitbewerber bei den Besichtigungsterminen. Die Schlangen, die sich bis ins Treppenhaus ziehen. Die Vermieter, die bei Hartz-IV-Bescheiden skeptisch blicken und schon mal empfehlen, sich nach Alternativen umzusehen. Und sich dann nie wieder melden. Über 50 Wohnungen habe er sich angeschaut, erzählt Hasan, unzählige Telefonate geführt, bei vielen Wohnungsbaugesellschaften sei er sogar persönlich gewesen. Immer vergebens.

Was Hasan von den meisten Mitbewerbern unterscheidet: Für ihn bedeutet jede Absage, dass er zurück muss in ein karges, 10 Quadratmeter großes Zimmer. Ein Zimmer, in dem Tisch, Bett, Schrank und Kühlschrank stehen. Und kein Platz mehr für Persönliches bleibt.

Der 19-Jährige ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Er lebt in einer Erstaufnahme-Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Berlin-Lichtenberg. Seine Mutter, 36, eine von der Flucht traumatisierte, schweigsame Frau, und seine 16-jährige Schwester wohnen nebenan. In einem 14-Quadratmeter-Zimmer, mit Doppelstockbett, und Koffern, Töpfen und Pfannen auf dem Boden. Weil er am besten Deutsch spricht, hat Hasan die Wohnungssuche für die Familie übernommen.

Den entsprechenden Bescheid haben die Al-Ahmads seit über einem Jahr. Genauso lange suchen sie schon. Den anderen 307 Bewohnern geht es wie ihnen. Sie alle dürften längst in eigenen Wohnungen leben. Aber sie finden nichts.

Über 50 Prozent "Fehlbeleger"

Das Wort, das die Bürokratie für Menschen wie Hasan gefunden hat, klingt nicht schön: Fehlbeleger. Etwa 15.000 der 27.500 in Berliner Unterkünften lebenden Flüchtlinge sollten eigentlich in eigene Wohnungen ziehen. Das sind 54 Prozent. Mehr als 10.000 von ihnen sind sogar als Flüchtling anerkannt. In Bayern etwa gelten bis zu 20 Prozent der Flüchtlinge als Fehlbeleger.

Für die Bewohner ist das Warten in den Heimen äußerst belastend. "Sie leben sehr beengt, es gibt kaum Rückzugsräume", sagt Kerstin Kammer, Sozialbetreuerin der Einrichtung; eine Frau mit blonden Locken und wachem Blick. In ihrem Heim leben vierköpfige Familien mit zwei kleinen Kindern in Zimmern mit 25 bis 30 Quadratmeter. Vier Familien teilen sich eine Küche, bis zu drei Familien ein Bad. "Als Erstaufnahme-Einrichtung für die ersten sechs Monate ist das okay", sagt Kammer.

Die Situation ist nicht nur belastend für die Menschen, sie ist auch unrentabel. Über die Höhe der Unterbringungskosten wollen weder Awo noch LAF genaue Angaben machen. Man stecke mitten in der Ausschreibung, heißt es dazu seitens der Behörde. Fest steht: Die Unterbringung in Wohnungen wäre auf Dauer günstiger.

Anders als in einigen anderen Bundesländern dürfen die Berliner Flüchtlinge – so sie nicht aus als sicher eingestuften Herkunftsländern kommen – bereits während des Asylverfahrens in eine eigene Wohnung ziehen, in der Regel nach sechs Monaten. Die Wohnung darf sogar 20 Prozent teurer sein als es der Regelsatz für ALG II- oder Sozialhilfe-Empfänger vorsieht. Das gilt auch für andere Wohnungslose.