Noch vor dem offiziellen Beginn ist der G20-Gipfel in Hamburg von gewaltsamen Protesten überschattet worden: Zahlreiche Polizisten und linksgerichtete Demonstranten wurden am Donnerstagabend in Hamburg verletzt, nachdem etwa 12.000 Menschen an dem Protestmarsch "Welcome to Hell" gegen den G20-Gipfel teilgenommen hatten.

Die Polizei hatte den am Fischmarkt gestarteten Aufmarsch am frühen Abend nach wenigen Metern gestoppt und rund 1.000 vermummte Autonome, die sich unter die 12.000 überwiegend friedlichen Demonstranten gemischt hatten,  aufgefordert, ihre Maskierungen abzulegen. Als die Beamten versuchten, diesen "schwarzen Block" vom Rest der Kundgebung zu trennen, eskalierte die Lage. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern sowie mit Latten angegriffen. Sie setzte Wasserwerfer sowie Pfefferspray ein. Die Veranstalter und mehrere Medienbeobachter warfen der Polizei ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Polizeistrategie.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, verteidigte das Vorgehen der Polizei. Dem Deutschlandfunk sagte er, um die Versammlungsfreiheit friedlicher Demonstranten zu gewährleisten, müsse man gegen Rechtsverstöße vorgehen. Es sei richtig gewesen, Vermummte von anderen Demonstranten zu trennen. Straftaten würden häufig aus der Anonymität heraus begangen. Malchow räumte jedoch ein, es sei schwierig zu bewerten, ob die Polizei angemessen vorgegangen sei.

Davon ist Polizeisprecher Timo Zill überzeugt, er sprach von einer drohenden "unbeherrschbaren Sicherheitssituation". Bei der der Demonstration hätten sich zwei schwarze Blöcke gebildet, in denen sich Personen dann vermummt hätten. Es seien 3.500 Extremisten vor Ort gewesen, die zuvor schwerste Gewalttaten angekündigt hätten. Wenn diese Menschen sich plötzlich vermummten, sei das sozusagen die Vorbereitung von Straftaten. "Dann kann doch nicht von der Polizei erwartet werden, dass man mit diesen Menschen in bewohntes Gebiet geht. Das wäre unverantwortlich", sagte Zill, der das Vorgehen als "alternativlos" bezeichnete.

Danach zogen verschiedene Gruppen von Linksautonomen durch St. Pauli und Altona, setzten Barrikaden und Autos in Brand. Insgesamt wurden bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei nach Polizeiangaben 111 Beamte  verletzt. Über Twitter berichtete die Polizei, dass auch Piloten eines Polizeihubschraubers durch einen Laserpointer geblendet worden seien. Zahlen zu verletzten Demonstranten oder unbeteiligten Menschen lägen noch nicht vor. Einer der Welcome-to-Hell-Initiatoren sprach von zahlreichen Verletzten aufseiten der Demonstranten. Bis zum Vormittag gab es laut Polizei 29 Festnahmen und 15 Ingewahrsamnahmen von G20-Gegnern.

Der Polizei zufolge beruhigte sich die Lage ab Mitternacht. "Es hätte schlimmer kommen können", sagte ein Feuerwehrsprecher. Im Hamburger Schanzenviertel waren am frühen Morgen noch überall Spuren der Verwüstung zu sehen: Bankautomaten wurden demoliert, ganze Straßenzüge waren mit Glasscherben und herausgerissenen Pflastersteinen bedeckt.

Schon im Vorfeld der von Mitgliedern des linksradikalen Spektrums angemeldeten Welcome-to-Hell-Demonstration waren Ausschreitungen befürchtet worden, sie galt als eine der krawallträchtigsten Protestaktionen während des G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs der großen Industrie- und Schwellenländer. Mindestens 19.000 Polizisten sollen das internationale Spitzentreffen sichern.

Weitere Blockaden angekündigt

Aktivisten wollen die Abläufe des Gipfels unter anderem durch Massenblockaden behindern. Am frühen Morgen setzte sich ein Zug mit mehreren Hundert Demonstranten in Weiß und Lila gekleidet an den Hamburger Landungsbrücken in Bewegung. Viele skandierten: "Haut ab, haut ab!" Die Polizei ging nach Augenzeugenberichten mit Schlagstöcken gegen Teilnehmer vor. Auch am Verkehrsknotenpunkt Berliner Tor versammelte sich eine Gruppe von geschätzt 200 Teilnehmern. Auch hier kam es zu Rangeleien mit der Polizei.

Die Gruppe "Block G20 – colour the red zone" hat angekündigt, in die engste Hochsicherheitszone des Gipfels vordringen zu wollen. Sie rief zu weiteren Straßenblockaden und Störaktionen auf, etwa zur Blockade der Anfahrtsrouten der Gipfelteilnehmer.

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