Ein Schiff der als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung ist Zeitungsberichten zufolge von den nordzyprischen Behörden festgesetzt worden. Das Schiff sollte Flüchtlinge an der Überfahrt über das Mittelmeer hindern. Der Kapitän der C-Star steht nun offenbar selbst unter dem Verdacht des Menschenschmuggels.

Wie die taz und die zypriotische Zeitung Kibris Postasi unter Berufung auf die Polizei übereinstimmend berichteten, wurden der Kapitän und sein Stellvertreter im Hafen von Famagusta in der Türkischen Republik Nordzypern in Gewahrsam genommen. 

Laut taz habe der Kapitän vermutlich falsche Angaben über das Schiff und die Besatzung gemacht. Teil der Crew der C-Star sollen 20 Tamilen gewesen sein, die keine Einreiseerlaubnis in zypriotische Gewässer hatten. Diese sollen Geld bezahlt haben, um mit der C-Star nach Italien zu kommen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine Nichtregierungsorganisation. Fünf der 20 tamilischen Besatzungsmitglieder sollen nach der Festsetzung in Nordzypern Asyl beantragt haben. Gegen den Kapitän bestehe nun der Verdacht des Menschenschmuggels.

Auf Twitter wiesen die Identitären die Vorwürfe von sich. Die Besatzungsmitglieder seien im Rahmen eines "kostenpflichtigen Trainingseinsatzes" an Bord des Schiffs gewesen. "Organisierte Kommandos der NGOs" hätten die Crew davon überzeugt, Asylanträge in der Türkei zu stellen. Dieses "skandalöse Vorgehen" könne die Mission zwar verzögern, aber nicht aufhalten.

Unter dem Namen Defend Europe hatten deutsche, französische und italienische Mitglieder der Identitären Bewegung das Schiff gechartert. Sie planten, die libysche Küstenwache auf Flüchtlingsboote aufmerksam machen, damit diese die Flüchtlinge zurück in das nordafrikanische Land bringe. Defend Europe wolle damit gegen Nichtregierungsorganisationen protestieren, die Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa bringen. Die NGOs waren zuletzt in die Kritik geraten. Ihnen wird vorgeworfen, rettungsbedürftige Flüchtlinge zu nah an der libyschen Grenze aufzunehmen. Dies motiviere Schleuser zu riskanten Überfahrten.

Die C-Star wurde bereits am Suezkanal von den ägyptischen Behörden gestoppt, dem Schiff sollen die nötigen Papiere gefehlt haben. Am Montag konnte die Fahrt in Richtung Mittelmeer jedoch fortgesetzt werden. Ziel der Identitären war ursprünglich Catania auf Sizilien, dort sollten vor dem Einsatz nahe der libyschen Küste weitere Aktivisten an Bord kommen.