Kinder oder Karriere? Keine zwingende Entweder-oder-Entscheidung mehr: Der langjährige Trend zur Kinderlosigkeit in Deutschland ist nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes offenkundig gestoppt. Etwa jede fünfte Frau bleibe "endgültig kinderlos" – eine Quote, die sich seit einigen Jahren stabilisiert habe, wie die Behörde Destatis mitteilte. Außerdem gingen mehr Frauen mit Kleinkindern arbeiten und Akademikerinnen bekämen mehr Kinder.

Die Statistikbehörde sieht darin nicht nur eine Folge der Zuwanderung, sondern auch positive Effekte durch den Ausbau der Kinderbetreuung. Dazu habe "nicht zuletzt die Verbesserung der Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, vor allem durch den Ausbau der Kinderbetreuung, beigetragen".

Lange Zeit hatte sich die endgültige Kinderlosigkeit in Deutschland stetig vergrößert – von elf Prozent bei den 1937 geborenen Frauen bis 21 Prozent beim Jahrgang 1967. Ob sich diese Entwicklung auch bei jüngeren Frauen der 1980er und 1990er Jahrgänge fortsetzen wird, ist allerdings noch offen. Ab dem Alter von 45 Jahren zählen Frauen für die Statistiker als endgültig kinderlos.

Besonders hoch ist die Kinderlosigkeit in den Stadtstaaten, besonders gering in den ostdeutschen Flächenländern. Innerhalb der Bundesländer waren diese Unterschiede 2016 besonders auffallend in Bayern mit 15 Prozent kinderlosen Frauen auf dem Land und 30 Prozent in den Städten.

"Bei den akademisch gebildeten Frauen ist die Kinderlosigkeit in den letzten Jahren sogar zurückgegangen", sagte Destatis-Vizepräsident Georg Thiel. So war unter den 40- bis 44-jährigen Akademikerinnen der Anteil der Kinderlosen im Vorjahr mit 25 Prozent um drei Prozentpunkte geringer als 2012.

Die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kleinkindern nahm in den vergangenen acht Jahren zu: Heute gehen 44 Prozent der Mütter mit Kindern im Alter von einem Jahr arbeiten. 2008 waren es noch 36 Prozent gewesen. Ist das jüngste Kind zwei Jahre alt, geht mit einem Anteil von 58 Prozent mehr als die Hälfte der Mütter einer Erwerbsarbeit nach (2008: 46 Prozent).