Die Zustände im Gazastreifen haben sich schneller verschlechtert als befürchtet: Nach Ansicht von UN-Vertretern ist das Gebiet nicht mehr bewohnbar. Für viele Mitarbeiter der Vereinten Nationen sei "die Schwelle zur Unbewohnbarkeit bereits überschritten", sagte der UN-Beauftragte für die humanitäre Lage in den palästinensischen Gebieten, Robert Piper. Ursprünglich hatte die UN dies für das Jahr 2020 erwartet.

In einem neuen Bericht mit dem Titel Gaza – zehn Jahre später hat die UN die Lebensbedingungen der zwei Millionen Menschen im Gazastreifen untersucht. Demnach haben die Bewohner nur noch wenige Stunden am Tag Elektrizität und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei mehr als 60 Prozent. Mehr als 95 Prozent des Wassers hat dem Bericht zufolge keine Trinkwasserqualität. Ein normales Leben in dem Gebiet sei so laut Piper nicht mehr möglich.

Die israelische Regierung hatte bereits Ende Mai angekündigt, die Stromversorgung des Gazastreifens weiter einzuschränken. Zuvor hatte die palästinensische Selbstverwaltung mitgeteilt, nicht länger für die israelische Stromversorgung im Gazastreifen zahlen zu wollen. Das Palästinensergebiet unterliegt seit zehn Jahren einer israelischen Blockade.

Die mangelhafte Versorgung des Gebiets ist auch eine Folge des Konflikts zwischen der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland. Seit 2013 hat zudem Ägypten seine Grenze zum Gazastreifen weitgehend abgeriegelt.