Bei einem der schlimmsten Angriffe seit Monaten hat die Islamistengruppe Boko Haram in Nigeria mindestens 50 Geologen, Soldaten und Mitarbeiter des staatlichen Ölkonzerns NNPC getötet. Ihr Konvoi war nahe Magumeri im nordöstlichen Bundesstaat Borno in einen Hinterhalt geraten, wie Rettungskräfte und Hilfsorganisationen mitteilten. Auch Mitarbeiter der Universität Maiduguri sollen unter den Opfern sein.

Ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Magumeri sagte, 53 Leichen seien bereits geborgen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Elf Menschen seien vermutlich in ihren Fahrzeugen verbrannt. Aus Armeekreisen hieß es, unter den Toten seien 18 Soldaten.

Ein Angestellter der Universität Maiduguri sagte, unter den Toten seien vier Geologen seiner Hochschule, die für das Erdölunternehmen im Tschadsee nach neuen Erdölvorkommen geforscht hatten. Zehn Geologen seien zunächst gekidnappt, später aber von der nigerianischen Armee befreit worden.

Konflikt ums Öl

Trotz der unsicheren Lage im Nordosten des Landes strebt das Opec-Mitglied Nigeria die Erkundung weiterer Vorkommen abseits des ölreichen Nigerdeltas im Süden des Landes an. Denn auch dort war es in der Vergangenheit immer wieder zu Angriffen auf Öl- und Gasfördereinrichtungen gekommen. Die Rebellengruppe Niger Delta Avengers (NDA) forderte, die Menschen in der Region müssten stärker von den Öleinnahmen profitieren und größere Autonomie erlangen.

Im vergangenen November hatte das nigerianische Militär die Erkundung von Ölvorkommen im Nordosten, in dem auch die Tschadseeregion liegt, befürwortet. Öl und Gas sind die wichtigsten Einnahmequellen des Landes.

Boko Haram kämpft seit dem Jahr 2009 gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Die sunnitischen Extremisten verüben unter anderem Angriffe auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen. In dem Konflikt wurden bereits mehr als 20.000 Menschen getötet und 2,6 Millionen in die Flucht getrieben. Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) sind wegen der Bedrohung durch Boko Haram inzwischen etwa 1,4 Millionen Kinder auf der Flucht.