Das Oberlandesgericht München hat den Psychiater Joachim Bauer als Gutachter im NSU-Prozess abgelehnt. Der Senat folgte einem Antrag mehrerer Nebenkläger. Bauer habe den "Eindruck der Parteilichkeit nicht beseitigen" können, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl zur Begründung. Der Freiburger Psychiater bewerte das Verfahren als eine "Hexenverbrennung", vor der er die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in Schutz nehmen wolle. Bauer mache damit deutlich, dass nach seiner Ansicht "ein massiver Schuldspruch bereits feststeht".

Bauer hatte Zschäpe mehrmals in der Untersuchungshaft in der Münchner Vollzugsanstalt Stadelheim besucht. Im Auftrag ihrer beiden Wahlverteidiger Mathias Grasel und Hermann Borchert hatte er als Zeuge über diese Gespräche berichtet und als Sachverständiger befunden, Zschäpe sei wegen einer krankhaften Persönlichkeitsstörung nur eingeschränkt schuldfähig. Bauer hatte danach in einer E-Mail an den Onlinechef der Zeitung Die Welt einen "exklusiven Beitrag" angeboten. In der Mail sprach er von "Hexenverbrennung" und davon, dass seine Begutachtung Zschäpes "einigen nicht passe".

Mit seinem Gutachten widersprach Bauer der zuvor abgegeben Stellungnahme des vom Gericht bestellten Psychiaters Henning Saß. Er hatte Zschäpe volle Schuldfähigkeit attestiert. Sie habe ein großes Selbstbewusstsein und laut Zeugenaussagen die Terroristen, mit denen sie zusammengelebt hatte, voll im Griff gehabt. Allerdings hatte Zschäpe sich geweigert, mit Saß zu sprechen.

Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund verbracht. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun aus rassistischen Motiven. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt.