In Paris haben 30 Geistliche und weitere Unterstützer einen "Marsch der Muslime gegen den Terrorismus" durch ganz Europa angetreten. Von der Champs-Élysées in Paris fahren sie per Bus zunächst nach Berlin. Zuvor beteten die Imame an dem Ort, wo im April ein Polizist bei einem Anschlag ermordet worden war. Am Sonntag werden die Geistlichen auf dem Breitscheidplatz erwartet, wo sie der Opfer des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt vom 19. Dezember gedenken wollen.

Im Anschluss reisen sie an andere Orte islamistischer Anschläge, wie etwa Brüssel, Nizza und Toulouse. Am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, werden sie zurück in Paris erwartet.

"Wir dürfen den Islam nicht Barbaren und Mördern überlassen", sagte der französische Imam Hassen Chalghoumi, der die Reise zusammen mit dem jüdischen Schriftsteller Marek Halter initiierte. Die Teilnehmer wollten eine "Botschaft der menschlichen Brüderlichkeit gegen den Terrorismus" senden. Er hoffe, dass sich möglichst viele Gläubige der Bewegung anschlössen. Die Imame stammen unter anderem aus Frankreich, Belgien, Italien, dem Libanon und Ägypten. In Berlin wollen Vertreter deutscher Moscheegemeinden, Kirchen und Synagogen an der Kundgebung teilnehmen.

Initiator wegen "liberaler Ansichten" umstritten

Chalghoumi ist der frühere Imam der Stadt Drancy nördlich von Paris. Bei einigen Muslimen ist er wegen seiner liberalen Ansichten und seiner Annäherung an die jüdische Gemeinde umstritten. So unterstützt auch der französische Islamrat CFCM den Marsch nicht. Auch die großen muslimischen Dachverbände in Frankreich sind an der Aktion nicht beteiligt.

In Deutschland waren zuletzt nur wenige Muslime Aufrufen zu Demonstrationen gegen Extremismus gefolgt. In Berlin versammelten sich vor etwa zwei Wochen weniger als 100 Menschen zu einer solchen Kundgebung. In Köln kamen etwa 1.000 Muslime zusammen.