Derzeit sind in Deutschland 58.000 Frauen von Genitalverstümmelungen betroffen. 13.000 Mädchen seien in Gefahr, eine solche Prozedur zu erleiden, teilte die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes mit. Das seien 10.000 Betroffene mehr als noch 2016. Die Zahl der gefährdeten Mädchen sei um 4.000 gestiegen.

Der Anstieg sei besonders auf die stärkere Migration aus Ländern zurückzuführen, in denen weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird, sagte Charlotte Weil von Terre des Femmes. Das betreffe besonders Irak, Eritrea und Somalia. "Es ist also umso wichtiger, auch hier in Deutschland zum Thema aufzuklären und ins Gespräch mit praktizierenden Communitys zu treten, um insbesondere gefährdete Mädchen zu schützen," fügte Weil hinzu.

Bei der Genitalverstümmelung, die in manchen Ländern als wichtiges Element beim Übergang vom Mädchen zur Frau gilt, wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt. Die Opfer leiden unter einer Reihe von gesundheitlichen Folgen wie Blutungen und Schmerzen beim Urinieren, extremen Schmerzen beim Sex, tödlichen Komplikationen beim Gebären und schweren seelischen Traumata.

In Deutschland steht Genitalverstümmelung unter Strafe. "Uns sind keine Fälle bekannt, wo Mädchen in Deutschland verstümmelt wurden. Das passiert entweder während eines Heimaturlaubes, oder man sucht Beschneiderinnen aus dem Herkunftsland auf, die in anderen europäischen Städten leben, etwa in Paris oder Amsterdam", sagte Weil.

Die Zahl der Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen und Ärztinnen, die sich bei Terre des Femmes meldeten, um gefährdeten Mädchen zu helfen, sei stark gestiegen. Seltener riefen auch Mütter an.

Zuwanderer aus dem Senegal und aus Gambia zeigten sich oft offen für Aufklärungsangebote. Migranten aus Guinea und Somalia seien meist nicht bereit, über diese Tradition zu sprechen. Lehrkräfte sollten hellhörig werden, wenn Schülerinnen von einem anstehenden Heimaturlaub und einem geplanten "großen Fest" berichteten.