Mit dieser Begründung hatte auch die Versammlungsbehörde, die dem CDU-Landrat Thomas Müller untersteht, versucht, das große Konzert vor zwei Wochen zu verbieten. Gerichte untersagten das Verbot, weil sie nicht genügend Beweise sahen, dass die Veranstalter Gewinn mit dem Rechtsrockkonzert machen – eine Grauzone im Versammlungsrecht, die Thüringens Ministerpräsident Ramelow schließen will. Weil sie aber noch existiert, gab es keine Versuche, das zweite Konzert zu verbieten. "Warum werden die Rechte nicht voll ausgeschöpft?", fragen Bürger bei der Gegendemonstration.

Denn jene Konzertgänger, die an diesem Tag nach Themar gekommen sind, lassen keinen Zweifel an ihrer rechtsextremen und menschenverachtenden Gesinnung. Sie bemühen sich auch nicht um eine bürgerliche Fassade: Adolf war der Beste, steht in Frakturschrift auf dem schwarzen T-Shirt eines jungen Mannes. Auf dem eines anderen prangt ein Reichsadler, in dessen Klauen ein eisernes Kreuz. Viele Männer sind die typischen finsteren Glatzenträger. Aber auch nicht wenige Frauen sind da.

Ein Pärchen hat sich abgesprochen: Auf seinem T-Shirt steht Adolf, auf ihrem Eva. Der tätowierte Ellenbogen eines Mannes ist mit weißen Pflastern abgeklebt. Darunter muss sich ein verfassungswidriges Symbol befinden; nur wenn es verdeckt wird, darf er aufs Konzertgelände. Von einem der Redner ist hinter dem Zaun nur zu hören, wie er sich und die Szene stolz als nationale Sozialisten bezeichnet. "Diese Leute sind hierher gekommen, um Straftaten zu begehen", sagt die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linke), die als parlamentarische Beobachterin in Themar ist.

Ein drittes Konzert ist geplant

Das weiß auch die Polizei. Man habe aus dem Konzert vor zwei Wochen gelernt, sagt ein Sprecher. Damals wurde die Polizei dafür kritisiert, nicht rechtzeitig eingegriffen zu haben, nachdem ein Video auftauchte, das eine große Zahl von Konzertbesuchern beim Zeigen des Hitlergrußes und bei Sieg-Heil-Rufen zeigt. Mehr als 40 Strafanzeigen wurden gestellt. Als Lehre daraus filmt die Polizei die komplette Veranstaltung selbst mit, um später ermitteln zu können. Bis zu 500 Beamte sind vor Ort. Eine konsequente Verfolgung von Straftaten wurde versprochen.

"Solange es bei der aktuellen Zahl der Teilnehmer bleibt, funktioniert die Einsatztaktik", sagt auch die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke), als am frühen Abend etwa 700 Konzertbesucher eingetroffen sind. Sie kritisiert aber auch, dass die Neonazis nicht konsequent aus der Ortschaft herausgehalten werden. Auf dem Weg zu einer nahen Tankstelle lässt die Polizei außerdem immer mal wieder Rechtsextreme durch, obwohl sie eigentlich einen anderen Weg nehmen sollten. Zwei Fotojournalisten werden von Neonazis angegangen und geschlagen, den Verantwortlichen kann die Polizei ermitteln.

Noch bevor der laute, harte Rock von langjährigen Szene-Bands wie Sturmwehr oder Frontalkraft angefangen hat, den man selbst auf der Themarer Hauptstraße noch stellenweise hört, räumt ein Redner auch die letzten Zweifel aus, dass es hier um mehr als politische Meinungsäußerung geht: "Wir werden mit den Geldern, die wir hier einnehmen, weiter in unsere Strukturen investieren." Auf dem Gelände werden auch Bier für drei Euro und Kapuzenpullis mit einschlägigen Botschaften für etwa 30 Euro verkauft.

Für Themar und seine Bürger klingt das wie eine Drohung. Denn nachdem sie die zwei Neonazikonzerte im Juli hinter sich gebracht habe, gibt es schon Gerüchte, dass im September am gleichen Ort das nächste stattfinden könnte. "Ich befürchte es", seufzt Bürgermeister Böse.