Ein Bericht über die angebliche Hinrichtung von 27 Gefangenen in der russischen Teilrepublik Tschetschenien hat bei Menschenrechtlern große Besorgnis ausgelöst. Die kremlkritische Zeitung Nowaja Gaseta veröffentlichte die Namen der jungen Männer, die ohne Anklage festgenommen und in der Nacht zum 26. Januar getötet worden sein sollen. Die Zeitung beruft sich auf ranghohe Informanten aus den Behörden in Tschetschenien.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International stufte den Bericht als glaubwürdig ein und forderte eine umfassende Aufklärung. "Die Sicherheitskräfte können nicht töten und foltern, nur weil sie Uniform tragen", kritisierte Denis Kriwoschejew. Amnesty habe über mehrere Jahre hinweg Fälle von Hinrichtungen im russischen Nordkaukasus dokumentiert, sagte er.

Nowaja Gaseta hatte in den vergangenen Monaten mehrfach von Verschleppung und Misshandlung Homosexueller in Tschetschenien berichtet. Die Journalisten erhielten dafür Morddrohungen. Die tschetschenischen Behörden indes werteten die Berichte als "Desinformation" und "Lügen". Der Sprecher des Machthabers Ramsan Kadyrow, Alwi Karimow, sagte: "Man kann niemanden verhaften oder unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt." Und weiter: Sollte es solche Leute in Tschetschenien geben, "müssten sich die Sicherheitsbehörden keine Sorgen um sie machen, denn ihre Verwandten würden sie schon an einen Ort geschickt haben, von dem sie nie wiederkehren könnten". 

Kadyrow wurde 2007 von Russlands Präsident Wladimir Putin als tschetschenischer Präsident eingesetzt. Menschenrechtler werfen ihm vor, für Folter, Morde und Korruption verantwortlich zu sein. 

In Russland wurde der jüngste Bericht der Nowaja Gaseta "zur Kenntnis genommen", hieß es. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, da die Quellen anonym seien, könne er keine Stellungnahme abgeben. Russlands Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa sagte, sie habe zu den nun veröffentlichten Namen bereits eine Anfrage an die Ermittler geschickt. Die Nowaja Gaseta hatte den Behörden vorgeworfen, die Untersuchungen zu verschleppen. 

Anmerkung: In einer früheren Version der Nachricht hatten wir gemeldet, dass es sich bei den Ermordeten um Homosexuelle handelt. Als Quelle diente eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur. Später hieß es, es handele sich um einen Übersetzungsfehler, das Tatmotiv sei nicht Homosexualität gewesen. ZEIT ONLINE hat die Nachricht entsprechend angepasst.