Philipp K. ist blass und stämmig. Seine Augen verschwinden unter einer Nickelbrille, das Gesicht schirmt er mit einer Mappe vor den Fotografen im Münchner Landgericht ab. Seine Personalien bestätigt er mit knappen Worten: geboren in Köln, 32 Jahre alt, zuletzt tätig als Staplerfahrer, wohnhaft in Marburg, nun aber in Untersuchungshaft. Ansonsten überlässt er das Reden seinen Verteidigern.

Sein Anwalt David Mühlberger verliest eine kurze Erklärung. Sie beginnt so: "Zunächst möchte ich in ehrlich gemeinter Art und Weise mein Beileid gegenüber den Opfern und Angehörigen zum Ausdruck bringen."

Die, über die er spricht, sind die Opfer des 22. Juli 2016. Damals packte der 18-jährige Münchner David S. eine Pistole in seinen Rucksack und fuhr zum Olympia-Einkaufszentrum im Norden der Stadt. In einer Filiale von McDonald's erschoss er vier Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren. Auf der Straße vor dem Restaurant eröffnete er erneut das Feuer und ging dann ins Einkaufszentrum. Insgesamt starben neun Menschen zwischen 14 und 45 Jahren, fünf wurden verletzt. Nach mehreren Stunden tötete sich S. mit einem Schuss in die Schläfe, als Polizisten ihn vor einem Wohnhaus stellten. Zuvor hatte der Amoklauf von München die ganze Stadt in Panik versetzt.

Wegen der Tat muss sich Philipp K. seit heute unter anderem wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Er hatte dem Amokläufer nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eine Pistole vom Typ Glock 17 verkauft. Angebahnt worden war der Verkauf über das Darknet, einen verschlüsselten Teil des Internets. Zweimal trafen sich Verkäufer und Kunde in Marburg, wo K. Waffe und Munition übergab. Weil er nachweislich einen regen Handel über das Internet trieb, umfasst die Anklage auch andere Verstöße gegen das Waffenrecht.

"Eine so grauenvolle Tat"

"Ich räume alle Waffenverkäufe ein", heißt es dazu in der Erklärung des Angeklagten. Zwölfmal habe er Waffen an Internetbekanntschaften verkauft oder mit ihnen getauscht. Für K., der immer wieder arbeitslos war und zeitweise auf der Straße lebte, war es ein einträgliches Geschäft. Von dem späteren Amokläufer kassierte er mehr als 4.000 Euro.

Bei den Treffen habe er aber nicht damit gerechnet, dass sein Kunde "eine so grauenvolle Tat" begehen würde und Menschen sterben müssten. Er habe sich mit allen Waffenkäufern persönlich getroffen, um sich einen Eindruck über sie verschaffen zu können. Hätte er gewusst, dass David S. sich auf einen Amoklauf vorbereitete, hätte er ihm keine Pistole gegeben.

Eine Darstellung, an der es viele Zweifel gibt – nicht nur, weil K. sich nicht selbst äußert und dem Vorsitzenden Richter Frank Zimmer keine Fragen beantworten will. In Freiheit nämlich gab er sich ganz anders als vor Gericht. Gern posierte er bei Paintball- oder Softair-Spielen im Tarnanzug und mit Waffe, sah sich als Krieger.

Vor allem aber bekannte er sich zu rechtsextremen Ansichten – was ihn mit dem Amokläufer David S. verband. Bei WhatsApp grüßte er mit "Heil Hitler" und schimpfte über "Kanacken". Andere Belege präsentiert Richter Zimmer nach dem Geständnis: Ein Bild von K.s Festplatte etwa, das ihn mit Hitlerbart, Scheitel und Uniform zeigt. Laut Auskunft seiner Anwälte handelt es sich um eine Fotomontage. Auch Abbildungen des Reichsadlers waren auf dem Datenträger.

Ebenfalls im digitalen Archiv des Angeklagten fanden Ermittler die Abbildung des französischen Personalausweises von dem Mann, der im Juli 2016 mit einem Lkw in eine Menschenmenge in Nizza gerast war und 86 Menschen getötet hatte.