Eine leichte Brise weht über La Rambla. Dieser Freitag ist wieder ein herrlicher Sonnentag. Im Halbschatten der Bäume tragen Kellner Paella auf, junge Männer verteilen Flyer für die obligatorischen Flamencokonzerte am Abend. Auch Touristen sind gekommen, vielleicht nicht so viele wie sonst, aber es ist trubelig auf der bekanntesten Allee der Stadt. Nur etwas leiser als sonst.

Nicht einmal 24 Stunden nach dem Terroranschlag mit insgesamt 14 Opfern und mehr als 100 Verletzten hat sich Barcelona seine Prachtmeile zurückerobert. Um 12 Uhr mittags gibt es eine Schweigeminute auf der nahen Plaça de Catalunya, danach hüpfen und springen die Katalanen und skandieren trotzig: "No tinc por", wir haben keine Angst. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau schreitet noch im schwarzen Trauerkleid, aber mit entschlossenem Blick über die gerade wiedereröffnete Rambla.

Die Terroristen hatten ihr Ziel bewusst gewählt. La Rambla ist das Herz Barcelonas, Flaniermeile und Handelszentrum in einem. Jeder Tourist schaut hier vorbei, jeder tüchtige Geschäftsmann auch. Auf gut einem Kilometer Länge reihen sich Geschäfte und Straßencafés aneinander. Wer hier hineinrast, der will ganz bewusst die Weltoffenheit der Metropole angreifen und möglichst viele Menschen töten.

Schnelle Rückkehr zur aufgesetzten Normalität

Und so kann am Freitag eben doch nicht alles normal sein. Polizisten stehen mit Maschinenpistolen auf La Rambla. Auf den 700 Metern, die der Kleinlaster über den Fußgängerbereich im Zickzack fuhr, liegen verstreut mehrere kleine Blumeninseln, immer dort, wo Menschen verletzt wurden oder starben.

Auf der Rambla geht eine junge Frau, gestützt von ihrem Bruder und dem Vater. Sie weint. Touristen halten inne, schauen auf die Blumen am Boden, sie schweigen. Die Kellnerin im Café betrachtet die Passanten auf der Prachtmeile und sagt, sie wisse nicht, ob sie das gut fände, diese schnelle Rückkehr zur dann doch aufgesetzten Normalität. Sie hat – an gleicher Stelle – die Opfer liegen gesehen gestern, kleine Kinder, verdrehte Körper. Ihr Blick schweift ab. Sie schweigt.

Samirs Sohn hat in der Nacht nicht geschlafen. "Meine Frau und ich haben ihn zu uns ins Bett geholt", sagt der Marokkaner und streicht dem Achtjährigen über den Kopf. Die Familie lebt in einer kleinen Seitengasse direkt neben der Rambla. "Der Kleine", sagt Samir, "hatte Angst, dass der Typ, der da noch auf der Flucht ist, zu uns in die Wohnung kommt und uns wehtut."

Der Terror hat, das ist für viele hier besonders bitter, die weltoffenste Stadt Spaniens getroffen. 8 Millionen Touristen besuchten 2015 die Metropole mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern. Und es ist nicht nur der Tourismus: In Barcelona und in der Region Katalonien gab es immer Arbeit. Der Hafen, eine prosperierende Industrie und das mediterrane Klima haben über Jahrhunderte die Einwanderer angezogen. Viele kamen aus Marokko oder aus Rumänien, aber auch viele Tausend aus der spanischen Provinz, um hier Arbeit zu finden.