Barcelona - Polizei tötet Hauptverdächtigen Die katalanische Polizei hat am Montag den mutmaßlichen Haupttäter der Anschläge in Barcelona erschossen. Der Mann soll eine Sprengstoffgürtelattrappe getragen haben. © Foto: Lluis Gene/AFP/Getty Images

Der Hauptverdächtige des Anschlags von Barcelona ist tot. Younes A. wurde in Subirats, etwa 50 Kilometer westlich von Barcelona, von Polizisten erschossen, teilte die katalanische Polizei mit. Er habe einen Sprengstoffgürtel getragen, der sich aber als Attrappe herausgestellt habe.

Die Polizei geht davon aus, dass der Marokkaner am vergangenen Donnerstag das Tatfahrzeug bei dem Anschlag in Barcelona gesteuert hat. Younes A. soll mit einem Lieferwagen am Donnerstag zahlreiche Passanten auf der belebten Promenade La Rambla überfahren haben. Dabei tötete er 13 Menschen, 120 wurden verletzt. Der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero hatte gesagt, man habe "überhaupt keine Zweifel", dass der 22-Jährige der Hauptattentäter sei.

Nur wenige Stunden vor den tödlichen Schüssen in Subirats hatte die Polizei Fahndungsbilder des 22-Jährigen veröffentlicht. Die Bilder zeigen einen etwa 1,80 Meter großen, dunkelhaarigen jungen Mann. Die Suche war am Montag auf ganz Europa ausgeweitet worden. Die Polizei warnte, dass er möglicherweise bewaffnet sei. Die Mutter von Younes A. hatte am Wochenende an ihn appelliert, sich der Polizei zu stellen.

Verhaftung nach Fahndungsaufruf

Die Flucht endete nur Stunden nach dem Fahndungsaufruf. Eine Frau habe die Polizei informiert, nachdem der Mann sich Häusern in Subirats genähert hatte, berichte der Sender 24H. Als er angesprochen worden sei, flüchtete er in nahe gelegene Weinberge. Dort wurde dann von der Polizei gestellt und schließlich erschossen.

Auf seiner Flucht direkt nach dem Anschlag soll der mutmaßliche Attentäter zunächst zu Fuß entkommen sein. Danach habe er einen Autofahrer erstochen, um an den Wagen zu gelangen. Mit der Leiche im Auto habe er dann eine Straßensperre durchbrochen und sei davon gefahren. Das Auto wurde später im Vorort Sant Just Desvern gefunden.

Anschlag in Barcelona

Wenige Stunden nach dem Anschlag in Barcelona war in dem Küstenort Cambrils außerdem eine Frau von Angreifern überfahren worden. Die fünf Männer wurden in dem rund 100 Kilometer südlich von Barcelona gelegenen Ort auf der Flucht von der Polizei erschossen. Die Behörden gehen davon aus, dass die Attacke in Barcelona und der vereitelte Anschlag in Cambrils von derselben islamistischen Zelle geplant wurden.

Gesamte Zelle zerschlagen

Nach Einschätzung der Ermittler bestand sie aus zwölf Mitgliedern, die alle tot oder in Haft seien, teilte die Polizei am Montagabend mit. Sie stammten aus dem kleinen Ort Ripoll am Fuße der Pyrenäen. Dort wurden sie laut Medienberichten von dem aus Marokko stammenden Imam Abdelbaki Es S. radikalisiert. Ähnliche Vorwürfe erhob auch die Familie des gesuchten mutmaßlichen Attentäters. Er sei bei der Explosion vergangenen Mittwoch in Alcanar südlich von Barcelona getötet worden.

In dem Haus in Alcanar sollen die Terroristen ihre Anschläge vorbereitet haben und die Explosion wurde offenbar versehentlich ausgelöst: Nach Angaben der Polizei hortete die Zelle in dem Haus neben Sprengstoff 120 Gasflaschen für noch verheerendere Anschläge, habe ihre Pläne nach der Explosion jedoch geändert.

"Die Situation ist unter Kontrolle, die Antiterror-Operation werd aber nicht abgeschlossen", sagte Polizeichef Trapero. Man wolle unter anderem die möglichen Verbindungen der Terroristen von Katalonien zu anderen Gruppen untersuchen. Es sei wahrscheinlich, dass "es schon in den kommenden Wochen Neuigkeiten gibt", so der Polizeichef. 

Zahl der Todesopfer steigt auf 15

Auf einer Kundgebung auf der Plaça de Catalunya am obersten Teil der Rambla – dort, wo die Terrorfahrt von Abouyaaquoub begann – verurteilte die muslimische Gemeinde von Katalonien am Montagabend die Anschläge. "Wir sind Muslime, keine Terroristen" und "Nein zum Terrorismus" war unter anderem auf Plakaten zu lesen. Zahlreiche andere Organisationen und Politiker schlossen sich der Demo an.

Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Todesopfer der Anschläge auf 15. Sie sind inzwischen identifiziert: Nach katalanischen Regierungsangaben handelt es sich um sechs Spanier, drei Italiener, zwei Portugiesen, eine Belgierin, einen US-Amerikaner, einen Kanadier und ein Kind mit australisch-britischer Nationalität.