Die Terrorverdächtigen der Anschläge in Katalonien hatten einen sehr viel schwereren Angriff vorbereitet: Der festgenommene Mohamed Houli C. gestand nach Justizangaben bei seiner ersten Anhörung vor Gericht, entsprechende Pläne mit weiteren Tatverdächtigen verfolgt zu haben. C. und die anderen drei überlebenden Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle waren erstmals einem Richter vorgeführt worden, der sie formell verschiedener Terrorvergehen beschuldigte. Verantworten müssen sie sich nun wegen terroristischer Morde, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Besitzes von Sprengstoff. Die Anhörung im Staatsgerichtshof in Madrid fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Eines der vier gefassten mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle wurde inzwischen mangels Beweisen freigelassen. Ein weiterer Verdächtiger solle für weitere 72 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben, berichteten spanische Medien unter Berufung auf Justizkreise. Für die übrigen beiden jungen Männer habe der Ermittlungsrichter demnach Untersuchungshaft ohne Anrecht auf Kaution angeordnet. Die Staatsanwältin hatte nach der richterlichen Anhörung der vier Verdächtigen zunächst Untersuchungshaft für alle vier gefordert.

Die übrigen acht Mitglieder der zwölfköpfigen Zelle sind tot, den mutmaßlichen Haupttäter erschossen Polizisten bei einer Fahndungsaktion am Montag in Subirats nahe Barcelona. Sie sollen bei Anschlägen in Barcelona und Cambrils vergangene Woche 15 Menschen getötet haben. Dem Gericht vorgeführt wurden nach Angaben aus Justizkreisen Driss O., Mohammed A., Salh El K. und Mohamed Houli C. Letzterer gestand, der Terrorzelle angehört zu haben, die anderen beteuerten ihre Unschuld.

C., der als erster befragt wurde, ist ein Spanier aus der spanischen Exklave Melilla im Norden Marokkos. Der 21-Jährige verletzte sich am vergangenen Mittwoch, als sich in einem Haus in Alcanar eine gewaltige Explosion ereignete. In diesem Haus hatten die Attentäter nach dem Stand der Ermittlungen ein Lager mit Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff angelegt. Der junge Mann habe in knapp eineinhalb Stunden alle Fragen des Richters und der Staatsanwältin beantwortet und vor Gericht seine Angaben aus einer Polizeivernehmung bestätigt, hieß es. Die Zeitung El Mundo berichtete, er habe ausgesagt, dass Sprengstoffanschläge auf die weltberühmte Basilika Sagrada Familia geplant gewesen seien. Die Staatsanwältin soll für ihn danach Untersuchungshaft ohne Anrecht auf Kaution gefordert haben.

Die anderen drei Verdächtigen sind Marokkaner. Der 28-jährige Driss O. ist ein älterer Bruder des 17-jährigen Moussa O., der an dem Auto-Anschlag in Cambrils beteiligt war und dort mit vier weiteren mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle von der Polizei erschossen wurde. Der 27-jährige A. ist der Eigentümer des Audi, der bei dem Anschlag in Cambrils eingesetzt wurde. El K., ein Freund von Driss O., hat ebenso wie ein großer Teil der Mitglieder der Terrorzelle in Ripoll am Fuße der Pyrenäen seinen Wohnsitz. Der laut Presseberichten 34-Jährige betreibt dort einen Shop für Auslandstelefonate. Laut der katalonischen Zeitung La Vanguardia wurde von dort regelmäßig Geld nach Marokko geschickt.

Anschlag in Barcelona

Der Hauptattentäter, der 22-jährige Younes A., der vergangene Woche einen Lieferwagen in eine Menschenmenge auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas gesteuert haben soll, wurde am Montag von der Polizei erschossen. Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle, der Imam Abdelbaki Es S., kam am vergangenen Mittwoch bei der Explosion im Versteck der Gruppe in Alcanar ums Leben. Die Attentäter sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein. Zu den Anschlägen in Katalonien hat sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannt.

Der mutmaßliche Anführer der Terrorzelle, der Imam Abdelbaki Es S., kam am vergangenen Mittwoch ebenfalls bei der Explosion in Alcanar ums Leben. Die Attentäter sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein. Nach Angaben aus Jutizkreisen warfen zwei der Verdächtigen Es S. vor, der ideologische Anführer der Gruppe gewesen zu sein und weitere Anschläge geplant zu haben. Der Imam hatte demnach vor, dabei selbst zu sterben.

Die spanische Polizei sucht unterdessen nach Helfern des mutmaßlichen Hauptattentäters. Er müsse auf der Flucht Hilfe gehabt haben, sagte der Justizminister der katalanischen Regierung, Carlos Mundo, dem Catalunya Ràdio. "Es ist eindeutig, dass er in irgendeiner Form eine Logistik gehabt haben muss." Spanischen Medienberichten zufolge vermutet die Polizei, dass er zuletzt nur zu Fuß unterwegs gewesen sei. Er habe die Kleidung gewechselt, , schrieb die Zeitung La Vanguardia, habe aber keine Tasche, kein Telefon oder Bargeld bei sich gehabt.

Mindestens eines der Mitglieder der Terrorzelle hielt sich nach Angaben der Schweizer Polizei im Dezember 2016 in einem Hotel in Zürich auf. Eine Polizeisprecherin teilte mit, es sei "noch zu früh", um sich zu den Hintergründen zu äußern. Nach den Anschlägen werden noch immer 48 Verletzte im Krankenhaus behandelt, von denen acht in Lebensgefahr schweben.

Barcelona - Polizei tötet Hauptverdächtigen Die katalanische Polizei hat am Montag den mutmaßlichen Haupttäter der Anschläge in Barcelona erschossen. Der Mann soll eine Sprengstoffgürtelattrappe getragen haben. © Foto: Lluis Gene/AFP/Getty Images