Beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr ist ein neuer Fall von Fehlverhalten bekannt geworden. Wie der Spiegel berichtet, plant die Bundeswehr die Absetzung des stellvertretenden Kommandeurs der Eliteeinheit. Zuvor habe es interne Ermittlungen aufgrund der Beschwerde einer zivilen Beschäftigten am Standort Calw gegeben. Dem Oberst Thomas B. werden demnach verbale Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindliche Sprüche vorgeworfen. "Nach einer Prüfung durch den Wehrdisziplinaranwalt entschied die Militärführung, den Vize-Kommandeur aus dem KSK zu versetzen", schreibt das Blatt. Der Oberst befinde sich derzeit auf Kur.

Nach Angaben der Bundeswehr in dem Bericht hat der Fall von Thomas B. nichts mit Vorwürfen zu tun, die am Donnerstag bekannt wurden. Demnach sollen KSK-Soldaten bei einer Abschiedsfeier für einen Kompaniechef in der Nähe von Sindelfingen rechtsextreme Musik gespielt und den Hitlergruß gezeigt haben. Außerdem sei mit Schweineköpfen geworfen worden. Nach Informationen der Sendung Panorama sollen die Soldaten eine junge Frau eingeladen haben, die als "Hauptpreis" mit dem scheidenden Kompaniechef einvernehmlichen Sex haben sollte. Ein Sprecher des Heeres hatte ZEIT ONLINE die Anwesenheit einer Frau, "die zum Escort-Service gehören soll", bestätigt. Es lägen jedoch "keine Erkenntnisse über sexuelle Handlungen" vor.

Außerdem bestätigte er interne Ermittlungen. Zahlreiche Vernehmungen hätten jedoch keine "verfassungsfeindlichen Äußerungen oder Symbole" auf der Feier ergeben. Die Ermittlungen dauerten noch an. In der Sache ermittelt auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Es sei ein Verfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet worden, teilte ein Sprecher mit.

In der Bundeswehr sind in den vergangenen Monaten mehrere Vorfälle bekannt geworden, bei denen rechtsextreme Tendenzen, Mobbing oder sexuelle Belästigung eine Rolle gespielt haben. Der rechtsextreme Bundeswehrsoldat Franco A. steht im Verdacht, gemeinsam mit Komplizen einen Anschlag geplant zu haben. Der Ende April festgenommene Oberleutnant hatte monatelang ein Doppelleben geführt und sich als syrischer Flüchtling ausgegeben. In einer Ausbildungskaserne in Pfullendorf soll es herabwürdigende und sexuell erniedrigende Praktiken und Aufnahmerituale gegeben haben, bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall waren Vorfälle von Missbrauch und Mobbing bekannt geworden. 

Rechtsextremismusvorwürfe gegen die KSK gibt es schon länger. So musste 2003 der KSK-Kommandeur Reinhard Günzel gehen, nachdem er einer als antisemitisch kritisierten Rede des Ex-CDU-Mitglieds Martin Hohmann applaudiert hatte. Das Kommando Spezialkräfte ist eine Eliteeinheit der Bundeswehr, die 1996 vor allem für die Befreiung und Evakuierung deutscher Geiseln in Krisengebieten gegründet wurde und stets geheim operiert. Sie war in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan und auf dem Balkan im Einsatz.