Mit einer großen Trauerfeier haben die Eltern der in Charlottesville getöteten Demonstrantin Heather Heyer Abschied von ihrer Tochter genommen. "Ich hätte lieber meine Tochter, aber wenn ich sie aufgeben muss, dann soll es zu etwas nütze sein", sagte die Mutter der Toten. Sie forderte die Amerikaner dazu auf, ihrer Tochter zu ehren, indem sie ihre "Wut zu rechtmäßigen Taten umsetzen". Zu der Trauerfeier in der Stadt in Virginia kamen rund tausend Menschen, darunter Gouverneur Terry McAuliffe. 

Die 32-Jährige war am Samstag ums Leben gekommen, als ein mutmaßlicher Neonazi sein Auto in eine Gruppe von Gegner einer rechtsextremen Kundgebung rammte. Der 20-jährige Fahrer wurde festgenommen. "Es tut mir leid, dass er dachte, Hass könne Probleme lösen", sagte Heyers Mutter über den Täter. "Hass bringt nur mehr Hass hervor." Die Teilnahme ihrer Tochter an der Demonstration gegen Rechtsextremisten sei "nicht das Ende ihres Vermächtnisses – es ist der Anfang von Heathers Vermächtnis", sagte sie weiter. Man habe ihre Tochter umbringen wollen, um sie zum Schweigen zu bringen, aber das habe ihr Wirkung nur vergrößert. 

Heyer hatte die letzten vier Jahre als Rechtsanwaltsgehilfin in einer Kanzlei in Virgina gearbeitet. Ihr Chef beschrieb sie als eine "sehr starke, sehr eigensinnige junge Frau", die sich jederzeit für Gleichheit starkmachte. An der Demonstration habe sie teilgenommen, um eine klare Botschaft an Neo-Nazis und Ku-Klux-Klan-Sympathisanten zu senden. Nachdem ihr Tod bekannt worden war, starteten Freunde eine Crowdfunding Kampagne, um Geld für ihre Familie zu sammeln. Innerhalb weniger Stunden spendeten dabei knapp 3.000 Menschen rund 225.000 Dollar. In Kommentaren gedachten Spender Heyer als "Heldin, die nicht umsonst starb".

Via Twitter kommentierte US-Präsident Donald Trump die Trauerfeier. Heather Heyer sei "schön und wunderbar" und eine "wirklich besondere junge Frau gewesen", schrieb er. "Sie wird bei allen lange in Erinnerung bleiben", fügte Trump hinzu.  Das Weiße Haus wollte nicht sagen, ob sich der Präsident persönlich bei der Familie der Getöteten gemeldet habe.

Der Tod der jungen Frau und Trumps Kommentare zu den rechtsextremen und rassistischen Gruppen, die in Charlottesville gegen den Abbau eines Konföderiertendenkmals protestiert hatten, hat in den USA eine heftige Diskussion entfacht. Trump hatte in einem ersten Statement die Nationalisten und die Gegendemonstranten gleichermaßen für gewaltsame Zusammenstöße verantwortlich gemacht. Eine Haltung, die er vor Medienvertretern auch drei Tage nach dem Gewaltausbruch erneut bekräftigte. "Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte Trump.

Seine Äußerungen sind selbst unter Republikanern umstritten. Unter anderem die Senatoren Macro Rubio (Florida) und John McCain (Arizona) wiesen Trumps Behauptung zurück, die Gegendemonstranten trügen eine Mitverantwortung an der Eskalation. Trumps Vorgänger, die Präsidenten George H.W. Bush Senior und George W. Bush Junior äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung: "Amerika muss immer rassischen Fanatismus, Antisemitismus und Hass in jeglicher Form zurückweisen", sagten sie.