US-Präsident Donald Trump hat Nordkorea zum dritten Mal innerhalb einer Woche mit dem Einsatz militärischer Mittel gedroht. Auf Twitter schrieb er, militärische Lösungen seien vollständig vorbereitet. Er beschrieb die US-Waffen als "locked and loaded" – zu Deutsch etwa: "gesichert und geladen" – und lässt damit Raum für Interpretationen, inwieweit die USA bereit sein könnten, loszuschlagen. Trump schrieb weiter, man sei bereit, wenn Nordkorea unüberlegt handeln sollte. Er hoffe aber, dass Kim Jong Un einen anderen Weg finden würde.

Inwieweit Trumps Äußerungen eine neue Phase hinsichtlich militärischer Vorbereitungen beschreiben, ist unklar. Die New York Times allerdings schreibt, seine Worte bedeuten nicht notwendigerweise, dass ein unmittelbares Handeln bevorstehe. Das Motto der amerikanischen Truppen, die in Südkorea stationiert sind, sei ohnehin "ready to fight tonight", übersetzt: "bereit, heute Abend zu kämpfen". Zuletzt habe es aber kaum Zeichen einer Mobilisierung gegeben.

Erst wenige Stunden vor seiner Twitternachricht hatte Trump vor Journalisten an der Seite seines Vizepräsidenten Mike Pence in seinem Urlaubsort in New Jersey gesagt: "Nordkorea sollte sich lieber zusammenreißen, sonst wird es Ärger kriegen, wie es nur wenige Staaten zuvor erfahren haben." Nordkorea sollte "sehr, sehr nervös" werden, wenn es auch nur daran denke, die USA anzugreifen. Machthaber Kim Jong Un habe sich verächtlich über die USA geäußert – "mit mir kann er das nicht machen", fügte Trump hinzu.

"Präsident Trump hätte besser geschwiegen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte die scharfe Rhetorik in der Nordkorea-Krise. "Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort", sagte sie in Berlin. Stattdessen solle man sich verstärkt um eine friedliche Lösung bemühen. "Ich sehe auch keine militärische Lösung des Konflikts", sagte sie. Außenminister Sigmar Gabriel hatte zuvor bereits vor einem Atomkrieg gewarnt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gab US-Präsident Donald Trump eine Mitverantwortung für die Eskalation des Nordkorea-Konfliktes. "Jeder Tropfen Öl, der beim Thema Nordkorea ins Feuer gegossen wird, ist zu viel", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland: "Präsident Trump hätte besser geschwiegen".

Trump sage "zu vielen Themen in einem Moment das eine und im nächsten das Gegenteil", kritisierte die Verteidigungsministerin. Selbst Insider in Washington wüssten nicht mehr, "was vom Handeln des Präsidenten Strategie und was impulsiv" sei. Als Konsequenz sieht von der Leyen einen Einflussverlust der USA in der Weltpolitik: "Das sprunghafte und teils widersprüchliche Agieren des amerikanischen Präsidenten führt bereits dazu, dass viele Akteure das Thema Sicherheit verstärkt unabhängig von ihm angehen."

Nordkorea treibt trotz internationaler Sanktionen sein Raketen- und Atomwaffenprogramm seit Jahren voran. Im Juli testete das abgeschottete Land zwei Interkontinentalraketen, die nach Einschätzung von Experten das US-Festland treffen könnten. Washington und Pjöngjang hatten die gegenseitigen Drohungen zuletzt immer weiter verschärft.

Bereits Anfang der Woche hatte Trump dem nordkoreanischen Regime wegen dessen Angriffsdrohungen und Raketentests einen Gegenschlag voller "Feuer und Zorn" angedroht. Möglicherweise, so sagte Trump tags darauf, seien diese Worte "nicht hart genug" gewesen. Auf die Frage, ob er einen Präventivschlag gegen Nordkorea erwäge, sagte der Präsident: "Wir werden sehen, was passiert."

Wie schon nach seinen vorherigen Äußerungen, die US-Außenminister Rex Tillerson mit beschwichtigenden Worten zu relativieren suchte, bemühte sich nun Verteidigungsminister James Mattis um Deeskalation: Die USA zögen weiterhin den diplomatischen Weg vor, sagte er. Ein Krieg wäre eine Katastrophe, ergänzte er. Allerdings seien die USA bereit, auf Feindseligkeiten Nordkoreas zu reagieren.

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet © ZEIT ONLINE

Die Führung in Pjöngjang hatte erklärt, ein fundierter Dialog sei mit dem US-Präsidenten nicht möglich. Dieser sei keiner Vernunft zugänglich, nur "absolute Gewalt" funktioniere bei ihm, hieß es. Außerdem warnte das Regime: Bis Mitte August solle der Einsatzplan stehen, um vier Mittelstreckenraketen in Richtung der Insel Guam abzufeuern. Die Raketen sollten demnach 30 bis 40 Kilometer vor der Insel im Meer niedergehen. Auf Guam leben rund 163.000 Menschen, 6.000 US-Soldaten sind hier stationiert.

Wegen der anhaltenden Raketentests des nordkoreanischen Regimes hatte der UN-Sicherheitsrat auf Betreiben der USA neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Sie betreffen unter anderem neun Einzelpersonen aus Nordkorea und Institutionen wie die staatliche Außenhandelsbank. Trump bezweifelt allerdings, dass diese Maßnahmen den erwünschten Effekt haben werden und forderte stattdessen den engsten Verbündeten Nordkoreas zum Handeln auf. "China kann viel mehr tun", sagte er.  

Donald Trump - "Nordkorea soll sich lieber zusammenreißen, sonst wird es Ärger kriegen" US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen an die nordkoreanische Regierung erneuert. Nordkorea sollte "sehr, sehr nervös" werden, wenn es auch nur an einen Angriff auf die USA denke, sagte er. © Foto: SAUL LOEB/AFP/Getty Images