Der Oberste Gerichtshof in Indien hat die muslimische Scheidungspraxis des sogenannten dreifachen Talak für verfassungswidrig erklärt. Die bisher gültige Regelung ist Teil des sunnitischen Rechts und erlaubt es gläubigen Muslimen, sich mit sofortiger Wirkung von ihrer Ehefrau scheiden zu lassen. Dazu genügt es, dreimal "Talak" zu wiederholen, das arabische Wort für Scheidung. Das ist dem Mann jederzeit gestattet und mündlich oder schriftlich gültig – auch übers Telefon, per SMS oder mithilfe einer Veröffentlichung in einem sozialen Netzwerk.

Sieben muslimische Frauen, die durch das dreifache Talak geschieden worden waren, hatten sich an das Oberste Gericht gewandt. Daraufhin hatten fünf Richter verschiedener Glaubensrichtungen drei Monate lang über den Fall beraten. Das Gericht fordert nun von der Regierung ein Gesetz zur Beendigung des Brauchs. Dafür müssen Teile des muslimischen Privatrechts geändert werden. In Indien ist es muslimischen, christlichen und hinduistischen Gemeinden gesetzlich erlaubt, bei Familienangelegenheiten – etwa Ehe, Scheidung, Erbe und Adoption – religiöses Recht anzuwenden.

Zakia Soman, die Mitgründerin des Indian Muslim Women's Movement, sprach von einem historischen Tag. "Wir, die muslimischen Frauen, haben Anspruch auf Gerechtigkeit von den Gerichten sowie dem Parlament." Die indische Familienministerin Maneka Gandhi bezeichnete das Urteil als "großen Schritt für die Frauen". Narendra Modi, der Premierminister des Landes, hatte in der Vergangenheit wiederholt ein Ende der Scheidungspraxis gefordert, weil sie Frauen unterdrücke.

Mitglieder des muslimischen Rechtsgremiums Indiens sprachen sich gegen eine Einmischung des Gerichts in religiöses Recht aus. Mehr als 20 muslimische Länder haben die Praxis des dreifachen Talaks bereits verboten.