In Belgien und den Niederlanden hat es wegen mit Fipronil belasteter Eier mehrere Razzien gegeben. Dabei wurden in den Niederlanden zwei Verdächtige festgenommen. Nach Behördenangaben handelt es sich um zwei Manager des Unternehmens, das das Insektengift in Agrarbetrieben angewandt hat. Medienberichten zufolge geht es um die niederländische Firma ChickFriend.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaften in Antwerpen und Den Haag durchsuchten Fahnder in einer abgestimmten Aktion an verschiedenen Orten in beiden Ländern Wohnungen und Büros mehrerer Hühnerfarmen. Die genauen Standorte wollten die Behörden nicht bekannt geben. Man arbeite eng mit der Behörde für Lebensmittelsicherheit zusammen, hieß es.

Seinen Ursprung hat der Skandal nach bisherigen Erkenntnissen in Belgien. Dort soll ein für die Nutztierhaltung zugelassenes, rein pflanzliches Desinfektionsmittel mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Fipronil gemischt worden sein. Dieses Mittel wurde auch in Ställen in den Niederlanden und in einigen Fällen auch in Deutschland eingesetzt. Millionen der belasteten Eier aus den Niederlanden wurden nach Deutschland verkauft und inzwischen von vielen Händlern aus dem Sortiment genommen. In Großbritannien spricht die Behörde für Lebensmittelsicherheit von 700.000 betroffenen Eiern – etwa 33 Mal so viel wie bislang vermutet.

Nach eigenen Angaben erfuhren die belgischen Behörden bereits Anfang Juni von der möglichen Belastung. Die Lebensmittelbehörde leitete eine Untersuchung ein und informierte die Staatsanwaltschaft – die anderen EU-Länder wurden aber erst Wochen später über belastete Eier in Kenntnis gesetzt. Belgien wiederum warf den Niederlanden am Mittwoch vor, bereits im November 2016 von belasteten Eiern gewusst, allerdings nicht darüber informiert zu haben.

 "Das Europäische Schnellwarnsystem muss besser funktionieren", kritisierte der Deutsche Bauernverband das Krisenmanagement in den betroffenen Ländern. "Es darf nicht wieder passieren, dass Behörden solche Informationen zurückhalten", sagte der Vizegeneralsekretär des Verbands, Udo Hemmerling, den Zeitungen der Funke Mediengruppe und forderte Konsequenzen aus der zeitlichen Verzögerung. "Dadurch haben wir wertvolle Zeit verloren, um die Verbreitung der Eier im EU-Binnenmarkt einzugrenzen."

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer forderte eine intensivere Lebensmittelüberwachung durch die EU. "Ich fordere eine Taskforce mit Kontrollkompetenzen auf europäischer Ebene", sagte der Grünen-Politiker der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auf die Niederlande und Belgien reagierte Meyer mit Unverständnis. "Es kann nicht sein, dass Informationen zum Schutz der Gesundheit von Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Europa nur deshalb liegen bleiben, weil sich nationale Behörden streiten."

Fipronil wird gegen Zecken, Flöhe und Läuse eingesetzt. Da es für Menschen gesundheitsgefährdend ist, darf es nicht in Betrieben eingesetzt werden, deren Erzeugnisse in die menschliche Nahrungskette gelangen. Bislang gab es keine Berichte darüber, dass tatsächlich jemand wegen der Eier erkrankt ist.