Nach Italien droht nun auch Libyen Flüchtlingshelfern im Mittelmeer mit einem harten Vorgehen. Die libysche Marine teilte mit, dass ausländische Schiffe die Küste des Landes ohne spezielle Erlaubnis der Behörden nicht mehr anfahren dürften. Dies gelte für eine "Such- und Rettungszone" für Flüchtlinge rund um die Küste. Wie weit sich diese Zone erstreckt, blieb unklar.

Ein Sprecher der libyschen Marine sagte, dies sei "eine klare Botschaft an alle, die die libysche Souveränität missachten und keinen Respekt für die Küstenwache und Marine haben". Die neue Vorschrift gelte ausdrücklich "für Nichtregierungsorganisationen, die vorgeblich illegale Einwanderer retten und humanitäre Aktionen durchführen wollen".

Von Libyen aus versuchen zahlreiche Menschen aus Afrika mit Booten über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Viele von ihnen erleiden Schiffbruch, die einzige Rettung bieten dann häufig private Hilfsorganisationen. Italien hatte zuletzt den Druck auf die Seenotretter verstärkt. Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Jugend Rettet wurde beschlagnahmt, das Boot einer spanischen Gruppe konnte tagelang einen sizilianischen Hafen nicht anlaufen.

Italien will erreichen, dass alle Flüchtlingshelfer einen Kodex unterschreiben. Dieser sieht unter anderem bewaffnete Polizisten an Bord vor. Die Mehrheit der im Mittelmeer tätigen Organisationen sperrt sich dagegen und verweist auf das international geltende Seerecht.

Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration sind in diesem Jahr mehr als 111.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer in die EU gekommen. Mehr als 2.300 ertranken.

Transparenzhinweis: Jugend Rettet wurde vom Publikum des Z2X-Festivals im September 2016 ausgezeichnet. ZEIT ONLINE hat das Festival organisiert.