Marseille - Auto fährt in Bushaltestellen Ein Mann hat Passanten an zwei Bushaltestellen angefahren. Laut Polizei ist mindestens eine Person getötet worden. Der Fahrer sei festgenommen worden, er hatte offenbar psychische Probleme. © Foto: Boris Horvat/AFP/Getty Images

Ein Mann hat in Marseille einen Lieferwagen in zwei Bushaltestellen gesteuert und eine Frau getötet. Eine weitere Person wurde nach Polizeiangaben schwer verletzt. Das gesuchte Fahrzeug sei später gefunden und ein 35-Jähriger festgenommen worden, hieß es. Laut Polizei war der Mann in der Vergangenheit unter anderem wegen Autodiebstählen aufgefallen.

Die Staatsanwaltschaft teilte kurz nach dem Vorfall mit, dass es derzeit keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund gebe. Bei dem Festgenommenen sei ein Schreiben einer psychiatrischen Klinik gefunden worden, "und wir orientieren uns eher in Richtung dieser Spur", sagte Staatsanwalt Xavier Tarabeux. Am Dienstag ergänzte Tarabeux, eine psychiatrische Untersuchung des Mannes habe einen "wahrscheinlichen psychotischen Prozess" ergeben.

Der 1982 geborene Mann fuhr nach Polizeiangaben am Morgen mit einem gestohlenen Lieferwagen zunächst in eine Bushaltestelle im Norden von Marseille und kurze Zeit später in eine weitere Haltestelle im Osten der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Schließlich wurde er im touristischen Stadtviertel Vieux Port im Zentrum von Marseille gestoppt und festgenommen. Die Verhaftung sei gewaltlos verlaufen, sagte David-Olivier Reverdy von der Polizeigewerkschaft Alliance Police.

Die Vorfälle ereigneten sich am Montagvormittag innerhalb von etwa einer Stunde, die beiden Wartehäuschen liegen Reverdy zufolge mehrere Kilometer voneinander entfernt. In Stadtteilen sei zum Zeitpunkt der Vorfälle wenig los gewesen. Bei dem Todesopfer handelte es sich nach Angaben des Bürgermeisters von Marseille um eine 42-jährige Frau.

Nach Informationen des Nachrichtensenders BFMTV soll der Verdächtige zwar der Polizei bekannt gewesen, nicht aber den Geheimdiensten, die in Frankreich mutmaßliche islamistische Gefährder beobachten. Ein Zeuge habe sich das Nummernschild gemerkt, deshalb sei die Polizei auf seine Spur gekommen, meldete der Sender.

Anfang des Monats war ein Mann bei Paris in eine Gruppe Soldaten gefahren, in diesem Fall ermitteln Anti-Terror-Experten. In der vergangenen Woche war östlich von Paris ein Mann mit einem Fahrzeug in eine Pizzeria gefahren und hatte ein Mädchen getötet. In diesem Fall hat die Staatsanwaltschaft ein terroristisches Motiv ausgeschlossen.