Nach den Gewaltausbrüchen während einer rechtsextremen Kundgebung in der Kleinstadt Charlottesville hat der Bürgermeister Michael Signer den US-Präsidenten Donald Trump kritisiert. "Ich lege die Verantwortung für vieles, was Sie heute in Amerika sehen, direkt vor die Haustür des Weißen Hauses und der Menschen um den Präsidenten", sagte Signer, der der Demokratischen Partei angehört. Er warf Trump vor, mit seinem Wahlkampf im vergangenen Jahr rassistische Vorurteile geschürt zu haben. 

Während der Demonstration von ultrarechten Gruppen, die am Samstag gewalttätig eskalierte, hatten sich einige der weißen Nationalisten auf Trumps Wahlsieg als Bestätigung für ihre Einstellungen berufen. "Wir erfüllen seine Versprechen", sagte zum Beispiel der frühere Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke: "Dafür haben wir ihn gewählt, weil er uns unser Land zurückgeben will."

Virginias Gouverneur Terry McAuliffe forderte die Rechtsextremisten auf, nach Hause zu gehen: "Ihr tut so, als wärt ihr Patrioten. Aber ihr seid alles andere als Patrioten!"

In Charlottesville im US-Staat Virginia hatten rechtsextreme Gruppen, darunter auch Anhänger der Alt-Right-Bewegung sowie frühere Vertreter des Ku-Klux-Klans, gegen die Entfernung einer Statue des Konföderationsgenerals Robert E. Lee durch die Stadt demonstriert. Lee war Befürworter der Sklaverei und führte die Armee der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg an. Es soll sich um eine der größten Demonstrationen von Nationalisten und Rechtsextremisten in den USA in den vergangenen Jahren gehandelt haben. Eine genaue Teilnehmerzahl ist noch nicht bekannt, die Polizei sprach von mehreren Tausend Menschen.

Hillary Clinton warnt vor Gleichgültigkeit

Während der Kundgebung war ein Auto in einen Zug von friedlichen Gegendemonstranten gefahren. Eine 32-jährige Frau wurde dabei getötet, 19 weitere Teilnehmer wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Die Polizei habe einen 20-Jährigen aus dem US-Bundesstaat Ohio festgenommen, der mit dem Vorfall in Verbindung stehen soll, schrieb die Stadtverwaltung auf Twitter. 

Er werde des Totschlags, der böswilligen Körperverletzung in drei Fällen und der Fahrerflucht verdächtigt. "Böswillig" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es sich um eine Tat mit Absicht und in vollem Bewusstsein handelt und nicht im Affekt. Das FBI leitete Ermittlungen wegen eines möglichen Hassverbrechens ein. Der Fall werde als möglicher Verstoß gegen die Bürgerrechtsgesetze behandelt, teilte das FBI mit.   

"Wir liefen auf der Straße, als ein Auto, eine schwarze oder graue Limousine, mit hohem Tempo auf uns zuraste und gegen all die Leute prallte", berichtete ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur afp. "Dann fuhr er zurück und hat uns erneut angefahren." Auch Videos zeigen, wie das Auto mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmenge fuhr.

Insgesamt mussten nach den Protesten 35 verletzte Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Zudem stürzte ein Polizeihubschrauber in der Nähe der Proteste ab. Zwei weitere Menschen kamen dabei ums Leben.

Gouverneur McAuliffe rief den Notstand aus. US-Justizminister Jeff Sessions sagte, wenn die Taten aus rassistischen Motiven verübt wurden, so könne das nicht toleriert werden: "Sie verraten unsere zentralen Werte." US-Präsident Trump hatte die Übergriffe und die tödliche Gewalt lediglich als "unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten" bezeichnet. Er forderte "eine schnelle Wiederherstellung von Recht und Ordnung und dem Schutz von unschuldigen Leben".   

Politikern der Demokratischen sowie der Republikanischen Partei reichte das nicht. Sie erwarteten deutliche Worte gegen die mutmaßlichen Verursacher der Gewalt. Trumps unterlegene Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton schrieb auf Twitter: "Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nichthandeln hinnehmen, ist eine Schande."