Tropensturm Harvey hat in den USA nach Schätzungen des Weißen Hauses 100.000 Häuser beschädigt. Das sagte der Heimatschutzberater von Präsident Donald Trump, Tom Bossert. Die US-Regierung wolle sich in Kürze an den Kongress wenden, um die Finanzierung der Hilfe für die Opfer des Tropensturms sicherzustellen. Einen weiteren Finanzierungsantrag werde man stellen, wenn man einen Überblick über das Ausmaß der Schäden habe, sagte Bossert. Konkrete Summen nannte er zunächst nicht.

Angesichts der Schäden durch den Sturm und die Überschwemmungen hatte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott erklärt, sein Bundesstaat werde für den Wiederaufbau womöglich weit mehr als 125 Milliarden Dollar Hilfe von der Regierung in Washington benötigen. Diese Summe hatte die Regierung 2005 nach dem Hurrikan Katrina zur Verfügung gestellt.

Trump will selbst eine Million Dollar aus seinem Privatvermögen spenden, wie die Sprecherin im Weißen Haus, Sarah Sanders, ankündigte. Trump werde die Summe zu einem Hilfsfonds für die Hochwasser- und Sturmopfer beisteuern. Der Präsident wolle sich damit der Hilfsbereitschaft anschließen, die viele Menschen im ganzen Land zeigten, sagte Sanders. Trump hat als Geschäftsmann mit Immobilien nach eigener Darstellung ein Milliardenvermögen gemacht.  

Finanzminister Steven Mnuchin sagte, die Kosten für die Behebung der Schäden könnten den Druck im US-Haushaltsstreit erhöhen. Der Zeitpunkt, bis zu dem der Kongress einer Anhebung der Schuldengrenze zustimmen muss, müsse früher als der bislang angepeilte 29. September liegen, sagte Mnuchin dem Sender CNBC. In den USA legt eine gesetzlich festgelegte Grenze fest, wie viel neue Schulden die Regierung machen kann. Einer Erhöhung der Grenze muss der Kongress zustimmen.

Die venezolanische Regierung will trotz des Konflikts mit den USA den Hurrikan-Opfern in den USA helfen. Venezuela werde bis zu fünf Millionen US-Dollar für betroffene Familien in Houston und Corpus Christi bereitstellen, kündigte Außenminister Jorge Arreaza an. Auch Mexiko und Kanada boten dem Nachbarland ihre Hilfe an. Mexiko hatte schon nach dem schweren Hurrikan Katrina hunderte Soldaten und Ärzte zur Unterstützung in die USA geschickt.

Harvey war am vergangenen Freitag erstmals in Texas auf Land getroffen und hatte sintflutartige Regenfälle gebracht. Es kam zu heftigen Überschwemmungen im Südosten des Bundesstaates. Binnen weniger Tage fielen mancherorts bis zu 1.250 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist ein Rekord für das Festland der USA. Einsatzkräfte retteten Tausende Menschen aus ihren Häusern. Mehr als 32.000 Menschen suchten Schutz in Notunterkünften. Die Zahl der Todesopfer durch die Katastrophe erhöhte sich unterdessen auf mindestens 39. Schätzungen zufolge steht noch immer ein Drittel der Großstadt Houston unter Wasser.

In Südtexas traten fast 114.000 Liter Rohöl aus, als das Wasser zwei Öltanks umstürzte. Zunächst war unklar, ob ein Teil des Öls aufgefangen werden konnte. Wenn die Wassermassen abfließen, dürften mehr Schäden an den Einrichtungen der Ölindustrie in Texas zutage treten. In der Nähe von Houston verursachten die Überschwemmungen zwei Explosionen in einer Chemiefabrik des französischen Konzerns Arkema. 

Das US-Hurrikan-Zentrum stufte Harvey inzwischen zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herunter. Am Donnerstag zog es östlich durch Louisiana. Dort traten die Flüsse Calcasieu und Sabine Rivers in einigen Gegenden über die Ufer. Straßen mussten wegen Überflutungen gesperrt werden. Gouverneur John Bel Edwards erklärte, die Lage sei ernst, aber man stehe bislang besser da als befürchtet. Auch Mississippi, Tennessee und Kentucky rüsteten sich für mögliche Überschwemmungen.