US-Präsident Donald Trump hat wegen des Sturms Harvey nun auch für den Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall ausgerufen. Damit schafft er die Voraussetzungen dafür, dass die vom Sturm schwer getroffenen Gebiete Bundesmittel zur Behebung der Schäden abrufen können. Den Wettervorhersagen zufolge könnte Harvey aus Texas – wo der Katastrophenfall bereits gilt – weiter in den Nachbarstaat Louisiana ziehen. Allerdings ist das Verhalten des Sturms den Meteorologen zufolge schwer zu kalkulieren. Bislang ist Texas am stärksten von den Sturmfolgen betroffen.

Mindestens 2.000 Menschen sind bisher vor dem Hochwasser gerettet worden. 185 weitere Notrufe müssten noch abgearbeitet werden, sagte Houstons Polizeichef Art Acevedo. Bis Ende des Tages hofften die Einsatzkräfte, alle dieser Betroffenen gerettet zu haben.

Im Süden von Texas könnten bis zu 30.000 Menschen vorübergehend obdachlos werden. Das sagte der Leiter der US-Bundesbehörde für Katastrophenschutz (FEMA), Brock Long, in Washington. Er erwartet, dass seine Behörde noch jahrelang mit den Folgen von Harvey zu tun haben wird. Wie hoch die Schäden sein werden, ist allerdings noch nicht absehbar – die Schätzungen der Experten widersprechen sich.

Long verteidigte die umstrittene Entscheidung der kommunalen Behörden, die von den Fluten schwer getroffene Millionenmetropole Houston nicht zu evakuieren. "Houston ist riesig", sagte Long. Es hätte mehrere Tage gedauert, die Stadt zu räumen. Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, verwies auf die Folgen der Evakuierung vor dem Hurrikan Rita im Jahr 2005, bei dem mehr als 100 Menschen gestorben seien. "Wenn Sie glauben, die Situation jetzt sei schlimm – wenn Sie eine Evakuierung anordnen, beschwören Sie einen Albtraum herauf", sagte er. Bislang starben durch Harvey mindestens drei Menschen.

In dünner besiedelten texanischen Regionen haben die Behörden allerdings Evakuierungen angeordnet. Im Landkreis Fort Bend sollten sich 50.000 Menschen in Sicherheit bringen, nachdem der höchste Wasserstand des Flusses Brazos seit mindestens 800 Jahren vorhergesagt worden war. Der Kreis liegt 50 Kilometer südwestlich der schwer getroffenen Millionenmetropole Houston.

Das Wasser soll weiter steigen

In Houston selbst blieb es am Morgen vergleichsweise trocken, aber für den Nachmittag wurde erneut stärkerer Regen vorhergesagt. Die Experten gehen von steigenden Wasserständen bis Ende der Woche aus. An mehreren Staudämmen wurde in der Nacht zum Montag zur Entlastung der Anlagen Wasser abgelassen, was die Überflutungen weiter verschärfte. Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA sprach von "beispiellosen Überschwemmungen". Ein Video der New York Times, das die überschwemmten Gebiete vor und nach dem Regen vergleicht, vermittelt einen Eindruck von den Wassermassen.

In Houston waren binnen 24 Stunden 60 Zentimeter Regen gefallen. Wegen der Flut wurden zwei Krankenhäuser geräumt. Die wichtigsten Schnellstraßen standen unter Wasser; der Flugbetrieb an den beiden Flughäfen kam zum Erliegen. Innerhalb von Stunden registrierten die Behörden mehrere Zehntausend Notrufe. Der Sender ABC zeigte Bilder eines Vaters und seines sechsjährigen Sohnes, die per Hubschrauber aus dem zweiten Stock ihres Hauses gerettet wurden. Beide trugen nur einen Rucksack bei sich. "Das ist alles, was wir haben", sagte der Vater. "Wir danken Gott. Wir danken Gott."

Harvey war am Freitag als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie in Texas auf Land getroffen. Es war der stärkste Wirbelsturm auf US-Festland seit zwölf Jahren. Später wurde er auf einen Tropensturm herabgestuft, brachte allerdings weiter heftige Regenfälle mit sich.

Derzeit bewege sich der Sturm nur sehr langsam vom Fleck, teilte das NHC mit. Er treibe Richtung Meer, werde aber voraussichtlich Mitte der Woche zurückkehren und noch mehr Regen mit sich bringen. Der Chef des Nationalen Wetterdienstes, Louis Uccellini, sagte bei einer Pressekonferenz in Washington, die weitere Entwicklung des Sturms sei "schwer vorherzusagen". Die Überschwemmungen würden ihren Höhepunkt vermutlich am Dienstag oder Mittwoch erreichen.

US-Präsident Trump will die betroffenen Gebiete am Dienstag besuchen.