Zur Bekämpfung der Hochwasserfolgen werden in den USA etwa 10.000 weitere Nationalgardisten nach Texas entsandt. Gouverneur Greg Abbott sagte, "das Schlimmste ist noch nicht vorbei". Im Südosten des Staats seien Gebiete weiter überschwemmt, während die Flut im Raum Houston erstmals zurückgehe. Mit der Ankunft der zusätzlichen Nationalgardisten seien dann etwa 24.000 im Einsatz, sagte Abbott.

Bereits am Wochenende hatte er alle verfügbaren Mitglieder der texanischen Nationalgarde aktiviert. Bislang habe sie mehr als 8.500 Rettungseinsätze absolviert, erklärte er.

Bei den Überschwemmungen in Houston starben sechs Mitglieder einer Familie. Die Leichen seien aus einem Fahrzeug geborgen worden, nachdem das Wasser langsam zurückgegangen sei, teilte Sheriff Ed Gonzalez mit. Die Familie, ein Paar mit vier Urenkeln im Alter von sechs bis 16 Jahren, sei seit Sonntag vermisst worden. Die Familie hatte versucht, den steigenden Fluten, die der Wirbelsturm Harvey mit sich gebracht hatte, zu entkommen.  

Bis Mittwoch waren von Behörden und Angehörigen insgesamt 21 Todesopfer bestätigt. Weitere 17 Todesfälle könnten mit dem Sturm in Verbindung stehen, die Behörden ordneten Autopsien an.

Harvey war vor fünf Tagen in Texas auf Land getroffen und dann vom Landesinneren aus zurück aufs Meer gezogen. Über dem Golf von Mexiko nahm der Sturm dann erneut Feuchtigkeit auf und erreichte am Mittwoch den Bundesstaat Louisiana.

Hurrikan Harvey - Ausnahmezustand in Houston Weite Teile der texanischen Stadt Houston sind überschwemmt, noch immer suchen Rettungskräfte nach Menschen. Die Behörden bereiten Notunterkünfte für Zehntausende vor. © Foto: REUTERS/Adrees Latif

Obwohl der Wasserpegel in Houston sank, besteht weiterhin Gefahr für die Einwohner. Vielerorts sitzen Menschen in ihren Häusern fest, Straßen stehen unter Wasser. 

Teile der Küste von Texas waren durch das Hochwasser von der Außenwelt abgeschnitten. Die Region an der Grenze zu Louisiana sei nahezu unerreichbar, da die Interstate 10 und viele andere Straßen überflutet seien, sagte ein Behördensprecher. Besonders schlimm war die Lage in der Stadt Port Arthur, an der Harvey vorbeigezogen war, bevor er wieder auf Land traf. Dort wurde die größte Ölraffinerie der USA wegen der Überschwemmungen geschlossen.

Mehr als 1.000 Wohnhäuser wurden durch Harvey zerstört und fast 50.000 beschädigt, 32.000 Menschen kamen in Notunterkünften unter. Etwa 195.000 Menschen beantragten nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Fema finanzielle Unterstützung, 35 Millionen Dollar Soforthilfe wurden ausbezahlt. Der wirtschaftliche Schaden könnte nach Einschätzung von Experten bis zu 90 Milliarden Dollar betragen. Allerdings sei es angesichts der anhaltenden Überschwemmungen noch zu früh, eine genaue Schadenssumme einschätzen zu können, sagte der Klimaexperte der Risikoanalyse-Firma RMS, Michael Young. Der Großteil der Schäden durch Überschwemmungen ist nach Einschätzung des Experten nicht versichert.