Ein Schuldspruch gegen einen populären Guru hat in Nordindien zu Ausschreitungen von Zehntausenden Anhängern geführt. Bei den Krawallen sind am Freitag 29 Menschen in der Stadt Panchkula getötet wurden, berichtete der Polizeichef des Bundesstaates Haryana, BS Randhu, bei einer Pressekonferenz. Medienberichten zufolge gab es etwa 250 Verletzte. Der geistliche Führer der Sekte Dera Sacha Sauda, Ram Rahim Singh, war zuvor vom Gericht in Panchkula wegen der Vergewaltigung zweier Frauen verurteilt worden.

Mehr als 100.000 Anhänger des Sektenführers waren zur Urteilsverkündung gekommen. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die wütende Menge ein, die die Sicherheitskräfte sowie TV-Journalisten und deren Fahrzeuge angriffen. Auch Behördengebäude wurden attackiert. In den Orten Malout und Balluana wurde Feuer in Bahnhöfen gelegt. In der Stadt Sirsa, in der der Guru lebt, griff eine Menge die Polizeiwache an.

Videobilder zeigten Randalierer, die Steine warfen, Feuer legten und Übertragungswagen von Fernsehsendern zerstörten. Polizisten gingen mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken vor. Sie schossen auch auf die Randalierer. Die Armee setzte nach eigenen Angaben 600 Soldaten ein. Am Rande der rund 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Neu-Delhi zündeten Anhänger von Ram Rahim Berichten zufolge leere Busse und Zugwaggons an. Drei Cricket-Stadien waren als Übergangsgefängnisse für festgenommene Krawallmacher vorgesehen. Nach Ausbruch der Gewalt verkündeten die Behörden eine Ausgangssperre in mehreren Orten in der Gegend.

Schulen und Universitäten im Bundesstaat Haryana blieben vorsorglich geschlossen, der Bahnverkehr wurde ausgesetzt, was Auswirkungen auf ganz Nordindien hatte. Zudem ordneten die Behörden die Sperrung von Internet- und Mobilfunkkommunikation sowohl in Haryana als auch in Punjab an.

Ram Rahim Singh war am Morgen von einem 100 Fahrzeuge langen Konvoi bei der Fahrt zum Gericht begleitet worden. Nach dem Schuldspruch wurde er bis zur Verkündung des Strafmaßes am Montag in ein Gefängnis in der nahe gelegenen Stadt Rohtak gebracht. Er hat dem Urteil zufolge 2002 in seinem Aschram, einem indischen Meditationszentrum, zwei Anhängerinnen vergewaltigt.

Guru rief Anhänger zur Ruhe auf

Die Sekte des Gurus gibt die Zahl ihrer Anhänger mit 60 Millionen an. Sie organisiert Kampagnen für Vegetarismus und den Kampf gegen Drogenabhängigkeit. Die Gruppierung nimmt sich nach eigenen Angaben auch sozialer Probleme an, beispielsweise organisiert sie Hochzeiten für arme Paare.

Am Donnerstagabend hatte der Guru, der sich selbst Heiliger Dr. Gurmeet Ram Rahim Singh Ji Insan nennt, über das Fernsehen seine Anhänger zur Ruhe aufgerufen. Viele kündigten dennoch an, kein Urteil gegen ihr Oberhaupt akzeptieren zu wollen. "Für mich ist Guru-Ji auf einer Stufe nur mit Gott", sagte der Bauer Malkit Singh, der in einem Park in Panchkula auf die Gerichtsentscheidung wartete. Ram Rahim Singh habe ihn von jahrzehntelanger Drogensucht geheilt.

Das Strafmaß gegen den Guru soll am Montag verkündet werden. Er wurde per Hubschrauber aus Panchkula ausgeflogen. In einem anderen Verfahren ist er wegen Mordes an einem Journalisten angeklagt. Ram Rahim wird außerdem vorgeworfen, Hunderte seiner Anhänger zur Kastration gezwungen zu haben.