Der indische Guru, der wegen der Vergewaltigung zweier Anhängerinnen verurteilt wurde, muss für insgesamt zwanzig Jahre ins Gefängnis – aufgeteilt auf zwei jeweils zehnjährige Haftstrafen. Das entschied ein Richter in der nordindischen Stadt Rohtak. Die Verteidigung kann gegen das Urteil Berufung einlegen.

Gurmeet Ram Rahim Singh war schon am vergangenen Freitag im Ort Panchkula schuldig gesprochen worden. Als Anhänger dort gegen das Urteil protestierten, kam es zu Ausschreitungen, bei denen mindestens 38 Menschen getötet wurden. Der Guru ist politisch und religiös einflussreich, seine Sekte hat eigenen Angaben zufolge mindestens 50 Millionen Mitglieder.

Um erneute Unruhen zu vermeiden, kam Ram Rahim nach der Urteilsverkündung nicht in Panchkula in Haft, sondern in Rohtak, einem Ort nahe der Hauptstadt Neu-Delhi. Sein Richter wurde am Montag per Hubschrauber nach Rohtak gebracht. Das Gericht wurde in einem Umkreis von zehn Kilometern durch Polizei, Armee und paramilitärische Einheiten abgeriegelt. Die Polizei hatte die Erlaubnis, bei Unruhen scharf zu schießen. Bus- und Bahnverbindungen nach Rohtak waren unterbrochen, damit die Anhänger des Gurus nicht anreisen konnten, alle ankommenden Autos wurden durchsucht.

Große Sicherheitsvorkehrungen gab es auch in anderen Teilen des Unionsstaates Haryana, in dem Panchkula liegt, und im benachbarten Punjab. In Haryana waren rund 30.000 Sicherheitskräfte auf den Straßen. Im rund 250 Kilometer von Panchkula entfernten Sirsa, wo sich das Zentrum von Ram Rahims Sekte befindet, galt am Montag eine Ausgangssperre. Dort wurden Medienberichten zufolge zwei Autos angezündet. Darüber hinaus wurden zunächst keine Zwischenfälle bekannt.

Der Guru ist gerichtsbekannt

Am vergangenen Freitag waren mehr als 100.000 Anhänger des extravaganten 50-jährigen Gurus zu der Urteilsverkündung nach Panchkula gekommen. Mehr als 900 Mitglieder von Ram Rahims Sekte Dera Sacha Sauda– übersetzt etwa: Sekte des wahren Geschäfts – wurden festgenommen.

Der Guru ist seit Längerem gerichtsbekannt. Er muss sich derzeit auch wegen des Vorwurfs des Mordes an einem Journalisten sowie an einem Mitarbeiter seiner Sekte und wegen Anstiftung zur Kastration von 400 seiner Anhänger vor Gericht verantworten.

Update: In einer früheren Version der Meldung hatten wir berichtet, Ram Rahim sei ein Sikh. Offenbar handelt es sich hier um eine Fehlinformation, wir haben die Passage deshalb entfernt (red).