Im indischen Teil der Kaschmir-Region sind bei einem Angriff auf eine Polizeistation zehn Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben griffen vermutlich drei Aufständische mit Sturmgewehren und Granaten das Polizeihauptquartier im Bezirk Pulwama an. Bei den Gefechten, die den ganzen Tag anhielten, seien zwei der Angreifer sowie acht Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. Zudem habe es Verletzte gegeben. Der dritte Angreifer halte sich vermutlich noch auf dem Gelände auf. Die radikal-islamische Gruppe Jaish-e-Mohammed reklamierte den Überfall für sich.

Nach dem Angriff schränkten die Behörden den Internetzugang in der mehrheitlich von Muslimen bewohnten Region ein, um die Organisation von Protesten gegen die indischen Sicherheitskräfte zu erschweren. In den vergangenen Monaten hatten Dorfbewohner wiederholt indische Soldaten mit Steinwürfen attackiert. Auch nach dem Angriff auf die Polizeistation kam es vereinzelt zu Protesten, die Polizei setzte Tränengas ein.

Erneut starke Spannungen zwischen Indien und Pakistan

In der im Himalaya gelegenen Krisenregion gibt es seit Monaten wieder starke Spannungen. Seit Jahresbeginn wurden mindestens 136 Aufständische von indischen Sicherheitskräften getötet. Anfang August gaben die Behörden die Tötung eines führenden Rebellenkommandeurs der muslimischen Gruppierung Laschkar-e Taiba bekannt.

Indien hat Pakistan wiederholt vorgeworfen, Extremisten auszubilden und zu bewaffnen. Pakistan weist die Vorwürfe zurück. Die Kaschmir-Region ist seit einem Krieg 1947 zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten zur Gänze beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere muslimische Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss der Region an Pakistan.

Seit den achtziger Jahren sind im Konflikt zwischen Pakistan und Indien mindestens 70.000 Menschen getötet worden, 8.000 Menschen verschwanden spurlos. Und gut 1,5 Millionen Menschen in der Region leiden unter den psychischen Folgen des Konflikts.