Nach Ausschreitungen zwischen obdachlosen Flüchtlingen und der italienischen Polizei hat das Bistum Rom der Stadtverwaltung verspätetes und falsches Handeln vorgeworfen. Man könne nicht ein vier Jahre altes Wohnungsproblem in zwei oder drei Tagen und bloß mit Gewalt lösen, sagte der für Migrationsfragen zuständige Weihbischof Paolo Lojudice der Zeitung Avvenire. Die Stadt Rom müsse ihr Notstandsdenken aufgeben und echte Integrationsmöglichkeiten schaffen. Sollten diese nicht angeboten werden, verschiebe man nur das Problem von einem Ort zum anderen und leiste Gewalttätern Vorschub.

Lojudice, der selbst Augenzeuge der Ausschreitungen war, sagte, es hätte ab einem bestimmten Zeitpunkt "die klare Absicht gegebenen, die Räumung zu Ende zu bringen". Die Gewalt sei "nur die Konsequenz" gewesen. Der Politik warf er vor, nicht präventiv mit Hilfe von Sozialarbeitern und Mediatoren eine Lösung für die Unterbringung der einzelnen Familien gesucht zu haben.

Die römische Polizei hatte zuvor ein von Flüchtlingsfamilien besetztes Gebäude sowie ein davor errichtetes Zeltlager gewaltsam geräumt. Einige der hauptsächlich eritreischen Flüchtlinge bewarfen die Beamten mit Steinen und Flaschen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke ein.

Zu den Ausschreitungen kam es auf dem Piazza Indipendenza unweit des Hauptbahnhofs. Dort war vor einigen Tagen ein illegal besetztes Haus geräumt worden, in dem seit fünf Jahren etwa 800 Flüchtlinge lebten. Den Berichten zufolge hielten sich 100 von ihnen auch nach der Räumung auf dem Platz auf.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sprach von mindestens 13 verletzten Flüchtlingen. Unter den vertriebenen Familien hätten sich viele Frauen sowie Senioren und Behinderte befunden.

Das Wohnungsproblem betreffe nicht nur Migranten, sagte Lojudice. Die gleiche Situation erlebe er auch bei Roma-Familien oder italienischen Hausbesetzern. In Rom gebe es bereits soziale Wohnungsmodelle, die von Kooperativen oder Ehrenamtlichen organisiert würden und teils 60 oder 70 Familien Unterkunft böten. Diese könnten der Stadt als Vorbild für eine breitere Lösung dienen, so der Bischof.