Bei einem Anschlag auf eine Moschee in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Regierungsangaben mindestens 20 Menschen getötet worden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte am Freitag mit, es gebe zudem mehr als 40 Verletzte. Die Zahl könne noch weiter steigen. Ambulanzen brächten immer noch Opfer in die Krankenhäuser.

Nach Behördenangaben sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Moschee in die Luft. Zudem drangen offenbar mindestens zwei bewaffnete Angreifer in das Gotteshaus im Stadtviertel Kala-e-Nadschara ein. Zu dem Attentat bekannte sich der "Islamische Staat" (IS).

Mehr als vier Stunden nach den ersten Schüssen zur Mittagszeit (Ortszeit) dauerte der Polizeieinsatz noch an. Es sei eine "Aufräumoffensive" im Gange, sagte der Kabuler Polizeisprecher Basir Mudschahid. "Wir wissen nicht, ob die Angreifer tot sind oder sich irgendwo versteckt haben."

Ein Reporter der New York Times berichtete von weinenden Menschen, die hinter Absperrungen auf Nachricht von Verwandten warteten. Polizisten versuchten, sich mit einer Drohne über der Moschee einen Eindruck von der Lage zu verschaffen, Sprengstoffsuchhunde seien im Einsatz. 

IS attackiert Schiiten

Die angegriffene Moschee wird von Schiiten besucht. Anders als in vielen anderen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Der IS hat seit seinem Aufkommen aber vermehrt Versammlungsorte oder Moscheen von Angehörigen der mehrheitlich schiitischen Minderheit der Hasara angegriffen.

Erst Anfang August waren Kämpfer der Terrormiliz in eine Moschee in der westafghanischen Stadt Herat eingedrungen und hatten mindestens 50 Menschen getötet und mindestens 80 verletzt. In Kabul hatte der IS Mitte Juni eine Schiitenmoschee an einem hohen schiitischen Feiertag angegriffen und mindestens vier Menschen getötet. Die Täter wurden abgefangen und erschossen, bevor sie in das vollbesetzte Innere vordringen konnten. Im November 2016 hatte der IS bei dem Angriff auf eine schiitische Moschee in Kabul etwa 30 Menschen getötet und rund 80 verletzt.