In Kenia sind bei Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Uhuru Kenyatta mindestens elf Menschen von der Polizei getötet worden. Nach Angaben von Sicherheitskräften wurden neun junge Männer in einem Slum der Hauptstadt Nairobi erschossen. Offenbar kamen die Männer bei einer Polizeiaktion gegen Plünderungen ums Leben. Zudem sei ein kleines Mädchen durch eine verirrte Polizeikugel gestorben, sagte ein Augenzeuge. Das Kind habe sich in Nairobi auf einem Balkon aufgehalten, als die Polizei mit vereinzelten Schüssen versucht habe, Demonstranten auseinanderzutreiben.

In dem Armenviertel waren junge Männer auf die Straßen gezogen, nachdem Kenyatta offiziell zum Sieger der Präsidentenwahl ausgerufen worden war. Das Fernsehen zeigte bewaffnete Polizeieinheiten, die mit Wasserwerfern durch die Straßen von Kibera, einem weiteren Armenviertel in Nairobi, zogen. Auch in anderen Orten kam es zu Protesten, darunter im westlichen Kisumu, ebenfalls einer Hochburg von Kenyattas Herausforderer Raila Odinga. Dort wurde nach Angaben eines Regierungsvertreters ein Mann getötet. Ein Krankenhaus nahm nach eigenen Angaben zehn Menschen mit Verletzungen auf.

Odinga hatte zuvor von Wahlmanipulationen gesprochen. Seine Partei bezeichnete das Ergebnis der Abstimmung vom Dienstag als Farce. Zugleich kündigte sie einen Verzicht auf eine Anfechtung der Wahl vor einem Gericht an. Stattdessen deutete ein Vertrauter von Odinga weitere Massenproteste an. "Vor Gericht zu ziehen, ist keine Option. Wir haben das bereits früher versucht", sagte er.

Der einstige Ministerpräsident Odinga hatte bereits die Wahl im Jahr 2007 verloren. Danach war es damals zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei der mehr als 1.000 Menschen getötet wurden. Auch die Wahl 2013 verlor Odinga – gegen den jetzigen Amtsinhaber und neuerlichen Wahlsieger Kenyatta. Odinga brachte damals Wahlmanipulationsvorwürfe vor den Obersten Gerichtshof, der sein Anliegen aber ablehnte.

Die zentrale kenianische Wahlbeobachtungsorganisation Elog wies die Vorwürfe der Wahlmanipulation zurück. Sie habe keine Belege für vorsätzliche Manipulationen gefunden. Auch internationale Beobachter waren zu der Einschätzung gelangt, dass die Wahl ohne Unregelmäßigkeiten abgelaufen sei.

Die Wahlkommission hatte am Freitagabend das offizielle Endergebnis der Abstimmung bekannt gegeben. Demnach entfielen auf Kenyatta 54,3 Prozent der Stimmen, Odinga kam auf 44,7 Prozent.

Kenyatta streckte seinem politischen Gegner die Hand aus. "Wir sind keine Feinde, wir sind alle Bürger derselben Republik", erklärte er nach Verkündung des Wahlergebnisses. Er reiche Odinga und all dessen Anhängern die Hand.  Zugleich forderte er die Bürger zu nationaler Einheit, Frieden und Harmonie auf.

Uhuru Kenyatta - Mehrere Tote bei Unruhen in Kenia Bei Protesten nach der Wiederwahl von Kenias Präsidenten Kenyatta sind mindestens elf Menschen von der Polizei getötet worden. Der unterlegene Kandidat Odinga hatte über Wahlmanipulationen geklagt. © Foto: Reuters TV