Der mutmaßliche Messerstecher von Hamburg, Ahmad A., soll sich seit 2014 mit der Ideologie des "Islamischen Staates" auseinandergesetzt und auch einen Lkw-Angriff erwogen haben. Das geht aus einem Geständnis hervor, das dem Rechercheverbund aus Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR vorliegt.

Demnach wollte A. möglichst viele Christen und Jugendliche töten und als "Märtyrer" sterben. Er bedauere weiterhin, dass er nicht mehr Menschen habe töten können, wird A. zitiert. Zunächst habe er erwogen, wie etwa der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz mit einem Lastwagen oder Pkw in eine Menschenmenge zu fahren. Dann habe er sich aber spontan für einen Messerangriff entschieden. 

Das Messer hatte A. in einem Supermarkt aus einer Auslage genommen und damit einen Menschen getötet und sieben weitere verletzt. Schließlich wurde er von Passanten überwältigt. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt. Die Familie von A. distanzierte sich von der Tat. Sie hätten keine Kenntnisse über Verbindungen ihres Sohnes in radikale Kreise gehabt und entschuldigten sich für sein Verhalten.

Trotz Hinweisen schritten Behörden nicht ein

Seitdem werden immer mehr Details zu dem 26-Jährigen bekannt. So sollen sich seine Mitbewohner in seiner Asylunterkunft mehrmals bei der Heimleitung über A. beschwert haben. Auch Mitarbeiter eines Flüchtlingscafés wandten sich seinetwegen an eine Beratungsstelle. Den Sicherheitsbehörden lagen zahlreiche Hinweise auf eine Radikalisierung vor, er galt als psychisch labil und zeitweise radikalisiert. Dennoch schritten sie nicht ein. Es kam weder zu einer Besprechung zwischen den Behörden, noch wurde Ahmad A. dem sozialpsychiatrischen Dienst vorgeführt. 

A. sollte ursprünglich 2015 nach Norwegen zurückgeschickt werden. Dort hatte er zuvor Asyl beantragt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) versäumte es aber, rechtzeitig ein Wiederaufnahmeersuchen an Norwegen zu stellen. Damit ging die Zuständigkeit für das Asylverfahren auf Deutschland über.

Innensenator räumt Fehler ein

Am Mittwoch tagte der Innenausschuss der Hamburger Bürgerschaft zu dem Fall. Dabei räumte SPD-Innensenator Andy Grote Fehler der Sicherheitsbehörden im Umgang mit dem Fall ein. Die Behörden seien teilweise nicht schnell und nicht gründlich genug mit Hinweisen auf die psychische Instabilität und seiner Radikalisierung umgegangen, sagte Grote. Zudem sei kein psychologischer Sachverstand hinzugezogen worden, obwohl es dazu Anlass gegeben habe.

Dennoch spricht laut Grote nicht viel dafür, dass die Tat hätte verhindert werden können. "So einfach ist es nicht", sagte der Senator. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte, es gebe keine Hinweise, dass der Täter Mitglied in einer terroristischen Vereinigung gewesen sei oder auch nur Kontakt hatte. Er habe sich selbst radikalisiert. Die in seiner Wohnung gefundene IS-Fahne sei ein selbst bemaltes Stück Stoff gewesen.

Bereits vor der Sitzung des Ausschusses hatte Grote angekündigt, dass 400 alte Fälle überprüft würden, bei denen es Hinweise auf die Radikalisierung von Muslimen gegeben habe. Das Treffen ist eine eine Sondersitzung des Innenausschusses der Hamburger Bürgerschaft. Dabei stellen Grote, der Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sowie der Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Torsten Voß, den aktuellen Sachstand vor und beantworten Fragen der Abgeordneten.