Anschläge in Katalonien

Dieser Artikel gibt den Stand der Fakten wieder, die bis zum 21. August als gesichert gelten können.

Was wir sicher wissen

  • Vier Tage nach dem Anschlag von Barcelona, der vereitelten Auto- und Messerattacke von Cambrils und der Explosion eines Hauses in Alcanar gehen die Ermittler davon aus, dass eine zwölfköpfige Terrorzelle für die Taten verantwortlich ist. Fünf der Männer wurden am Tag des Anschlags von der Polizei in Cambrils erschossen, zwei mutmaßliche Bandenmitglieder starben in Alcanar. Der mutmaßliche Haupttäter wurde vier Tage nach dem Anschlag von der Polizei erschossen. Vier Männer wurden festgenommen-
  • Die Männer im Alter zwischen 17 Jahren und Mitte 30 stammen aus Marokko und Spanien. Sie lebten in der nordkatalanischen Stadt Ripoll.
  • Die Polizei geht davon aus, dass die Gruppe einen großen Anschlag auf symbolträchtige Ziele in Barcelona verüben wollte; die Rede ist unter anderem von der bekannten Kirche Sagrada Família, ein Wahrzeichen von Barcelona. Nach der Explosion in Alcanar änderten sie ihre Pläne.
  • Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag für sich und sprach von mehreren Tätern. Sie nannte aber keine Namen.

Barcelona

Anschlag in Barcelona

  • Ein weißer geschlossener Lieferwagen war am Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr in die Fußgängerzone La Rambla in Barcelona gefahren. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben, etwa 120 Menschen wurden verletzt.
  • Der Wagen fuhr an der Plaça de Catalunya in die Fußgängerzone. Er kam am Pla de l'Os mit eingedrückter Front zum Stehen. Der Fahrer, laut Polizei der 22-jährige Marokkaner Younes A., stieg aus und entkam zu Fuß. Er flüchtete durch die in unmittelbarer Nähe gelegene Markthalle Boqueria.
  • Auf seiner Flucht erstach der mutmaßliche Täter einen Mann, der in seinem parkenden Auto gesessen hatte. Er deponierte den Leichnam im Wagen und fuhr aus Barcelona heraus. Auf einer Ausfallstraße durchbrach das Auto eine Polizeisperre. Der Wagen mit der Leiche des Besitzers wurde später im Vorort Sant Just Desvern gefunden.
  • Vier Tage nach dem Anschlag schrieb die Polizei Younes A. europaweit zur Fahndung aus. Wenige Stunden später erschoss sie ihn bei einem Polizeieinsatz, etwa 50 Kilometer von Barcelona entfernt.
  • Vier Personen wurden festgenommen. Eine Person nahm die Polizei Stunden nach dem Anschlag in Ripoll in Gewahrsam, eine weitere in Alcanar. Einer der beiden Männer ist Marokkaner, der andere stammt aus der spanischen Exklave Melilla. Die Verhafteten sind 21, 27, 28 und 34 Jahre alt. Bei keinem ist ein terroristischer Hintergrund bekannt, sagte Polizeichef Trapero.

Cambrils

  • In der Nacht zum Freitag gegen halb zwei Uhr haben fünf Männer in einem schwarzen Audi A3 auf einer belebten Straße nahe der Strandpromenade in Cambrils Menschen überfahren. Eine schwer verletzte Frau starb, fünf weitere Zivilisten und ein Polizist wurden ebenfalls verletzt. Die fünf mutmaßlichen Attentäter hatten Messer und eine Axt bei sich, dazu trugen sie Westen, die wie Sprengstoffgürtel aussahen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie eine Messerattacke geplant hatten. Als die Männer auf eine Polizeisperre trafen, begannen sie, Passanten anzufahren. Ein Polizist schoss auf das Fahrzeug und tötete vier mutmaßliche Attentäter, sagte Polizeichef Trapero. Ein fünfter Mann konnte zunächst fliehen und wurde dann ebenfalls niedergeschossen. Er erlag später seinen Verletzungen.
  • Die Polizei hat die fünf Toten identifiziert. Es handelt sich um Said A., 19 Jahre; El Houssaine A., 19 Jahre; Mohamed H., 24 Jahre; Omar H., 21 Jahre; Moussa O., 17 Jahre.
  • Nach Angaben des Ermittlungsrichters waren bei keinem der fünf Getöteten Verbindungen in die islamistische Szene bekannt. 

Alcanar

  • Schon am Mittwoch war es in Alcanar, rund 200 Kilometer südwestlich von Barcelona, abends gegen 23:20 Uhr zu einer Explosion gekommen. Ein Haus wurde zerstört. Zwei Menschen wurden getötet, weitere wurden verletzt.
  • Die Polizei fand in den Trümmern des Hauses mehr als hundert Gasflaschen, außerdem Überreste des Sprengstoffs TATP, der schon häufiger von islamistischen Terroristen eingesetzt worden ist.

Was wir nicht sicher wissen

  • Die mutmaßlichen Täter könnten sich unter dem Einfluss eines Imams in Ripoll radikalisiert haben. Die Polizei gibt seinen Namen als Abdelbaki e. S. an. Ob dies aber tatsächlich so war, wollte Polizeichef Trapero zwei Tage nach dem Anschlag nicht bestätigen. Man könne noch nicht einmal sagen, ob die Moschee in Ripoll der Ort der Radikalisierung gewesen sei.
  • Der verdächtige Imam soll aus Marokko stammen und 45 Jahre alt sein. Er soll eine zweijährige Haftstrafe wegen Drogenhandels im Gefängnis von Castellón verbüßt haben. Dort soll er sich mit einem der Attentäter von Madrid angefreundet haben, der an dem Anschlag auf Vorortzüge im März 2004 beteiligt war. Später soll sein Name im Zusammenhang mit einer Gruppe registriert worden sein, die junge Spanier für den islamistischen Kampf im Irak angeworben hatte.
  • Der Imam soll am Dienstag, also am Tag vor der Explosion in Alcanar, von Ripoll nach Marokko aufgebrochen sein. Die Polizei vermutet, dass er in Alcanar getötet wurde. Belegt ist das aber noch nicht.

Barcelona

  • Die Polizei veröffentlichte am Donnerstag ein Bild von Driss O. Auf seinen Namen wurde der Lieferwagen gemietet. Driss O. ist Marokkaner und der ältere Bruder eines Mittäters. Nachdem er sich auf dem Foto erkannt hatte, soll er sich selbst bei den Behörden gemeldet und angegeben haben, seine Papiere seien gestohlen worden. Er wurde festgenommen. Seine genaue Rolle in dem Fall ist nicht geklärt.
  • Die Polizei soll zudem ein weiteres Auto gefunden haben, vielleicht sollte es als Fluchtwagen dienen. Das berichtet die katalanische Zeitung La Vanguardia.

Alcanar

  • Das zerstörte Haus in Alcanar soll der Terrorbande schon seit längerer Zeit als Rückzugsort gedient haben. Ungeklärt ist bislang, wie viele Bomben dort gebaut werden sollten und was die Gruppe ursprünglich genau geplant hatte.
  • Die Identität der beiden Menschen, die bei der Explosion getötet wurden, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Was sich als falsch erwiesen hat

  • Die spanische Polizei hat Berichte dementiert, nach denen sich ein mutmaßlicher Täter nach dem Anschlag von Barcelona in einem Café verschanzt haben sollte.
  • Zunächst hieß es, die Polizei habe den Mann erschossen, der mit seinem Auto durch eine Straßensperre gebrochen war. Später erklärten die Behörden, das treffe nicht zu.