Der Bürgermeister der vom Hochwasser überfluteten Millionenmetropole Houston in Texas hat zunächst für eine Nacht eine Ausgangssperre verhängt. Von 22 Uhr abends bis fünf Uhr morgens sollten die Bewohner ihre Häuser nicht verlassen. So will die Stadt Plünderungen und andere Kriminalität verhindern. Teilweise hätten sich Kriminelle als Polizisten verkleidet und Bewohner zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert, sagte Bürgermeister Sylvester Turner.

In Houston und Umgebung sind nach dem Durchzug des Tropensturms Harvey mindestens zwölf Menschen gestorben. Dort fiel in den vergangenen Tagen die Rekordmenge von bis zu 132 Zentimetern Regen; große Teile der Stadt wurden überflutet, mehrere Stauseen liefen über. Tausende Menschen wurden vorübergehend obdachlos. Viele konnten nur mit Booten und Hubschraubern aus ihren bis unter den Dachfirst vollgelaufenen Häusern gerettet werden. Bürgermeister Turner kündigte an, weitere Notquartiere für Schutzsuchende zu öffnen. Nach Angaben des Roten Kreuzes suchten in Texas bereits etwa 17.000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften.

Anwohner um überflutete Chemiefabrik evakuiert

Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Rettungskräfte kämpften sich mit Booten durch die braunen Wassermassen, um Menschen aus ihren Häusern zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben der Behörden retteten die Helfer in den vergangenen Tagen 3.500 Menschen.

Unter anderem wurden Anwohner einer im Überschwemmungsgebiet liegenden Chemiefabrik in Sicherheit gebracht. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme, teilten die Behörden mit. Der französische Konzern Arkema, dem die Fabrik in Harris County gehört, teilte mit, die Anlage sei überschwemmt. Es sei möglich, dass Chemikalien reagierten und ein Feuer ausbreche. Wie giftig die entstehende Rauchwolke sein würde, ließ der Konzern offen. In der Fabrik werden organische Peroxide produziert, sie gelten als Gefahrstoff.

US-Präsident Donald Trump versprach den von dem Hochwasser betroffenen Menschen Geld. Es werde sehr kostspielig, sagte Trump bei seinem Besuch in dem Katastrophengebiet, ohne genaue Summen zu nennen. Er werde mit dem Kongress zusammenarbeiten, um ein Rettungspaket zu schnüren und die Folgen des Sturms zu lindern. "Ich denke, wir werden die richtige Antwort finden." Aber womöglich habe es noch nie größere Schäden in der Geschichte des Landes gegeben, so Trump in Austin. Bislang gilt der Wirbelsturm Katrina, der 2005 New Orleans großflächig zerstörte, als teuerster Hurrikan in den USA. Die Regierung half damals mit etwa 100 Milliarden Dollar.

Viele Anwohner nicht gegen Flutschäden versichert

Trump besichtigte die Stadt Corpus Christi, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Beim Besuch einer Feuerwache lobte er die Arbeit der Einsatzkräfte und der Behörden. "Texas kommt mit allem zurecht", sagte der Präsident.

Wirtschaftschefs und Prominente spendeten zum Teil große Summen für die Hochwasseropfer. Viele von ihnen sind nicht gegen Flutschäden versichert.

USA - Donald Trump besucht Katastrophengebiet in Texas US-Präsident Donald Trump hat sich nach dem verheerendem Sturm Harvey im Bundesstaat Texas einen Überblick über die Lage verschafft. Er dankte dem Krisenstab und allen freiwilligen Helfen. © Foto: REUTERS/Carlos Barria

Einige Bankenregulierer riefen die Geldhäuser des Landes auf, ihren Kunden bei den Zahlungsmodalitäten für Kredite entgegenzukommen. Zahlungsverzug von Darlehensnehmern in den betroffenen Hochwassergebieten sollten toleriert werden. Zugleich sollten mehr neue Kredite diesen Gemeinden zugute kommen.

Stark betroffen von dem Unwetter sind auch viele Airlines. Tausende Flüge mussten in den vergangenen Tagen gestrichen werden, die Flughäfen in Houston sind geschlossen. Ein Regierungsvertreter sagte, trotz Kerosinmangel und überfluteten Zufahrtsstraßen könnten die Flughäfen noch im Laufe der Woche wieder öffnen; sie könnten aber wohl erst nächste Woche wieder voll ausgelastet werden.

Stärkste Regenfälle auf US-Festland

Die Niederschläge durch Hurrikan Harvey sind die stärksten, die je auf dem US-Festland gemessen wurden. In Cedar Bayou in der Nähe von Mont Belvieu erreichten die Pegel eine Höhe von 132 Zentimetern. Mehr Niederschlag auf einem Fleck gab es in den USA bisher nur 1950 nach dem tropischen Zyklon Hiki auf Hawaii. Dort fielen 133 Zentimeter Regen, Hawaii war damals aber noch kein offizieller US-Staat. 

Louisiana rüstet sich für den Sturm

Harvey gewinnt weiterhin an Stärke. Der Sturm bewegt sich nach Angaben des US-Hurrikan-Zentrums in Richtung Louisiana weiter. Der Nachbarstaat, in dem auch die 2005 durch Katrina verwüstete Stadt New Orleans liegt, bereitet sich auf Regen mit folgendem Hochwasser vor. In New Orleans blieben Schulen und Behörden am Dienstag geschlossen. Bürgermeister Mitch Landrieu empfahl den Bewohnern, ihr Haus nicht zu verlassen. Er riet ihnen, Essen, Getränke und Medikamente für mindestens drei Tage vorrätig zu haben. Gouverneur John Bel Edwards sagte, Louisiana stehe das Schlimmste aller Wahrscheinlichkeit nach noch bevor.

Hurrikan Harvey - Ausnahmezustand in Houston Weite Teile der texanischen Stadt Houston sind überschwemmt, noch immer suchen Rettungskräfte nach Menschen. Die Behörden bereiten Notunterkünfte für Zehntausende vor. © Foto: REUTERS/Adrees Latif