Die Behörden in Houston haben wegen extremer Überflutungen die Zwangsräumung der südwestlichen Vororte der texanischen Stadt angeordnet. Die Maßnahme gilt vor allem für die Deichbezirke entlang des Brazos River. Kreisrichter Robert Herbert sagte, der nationale Wetterdienst erwarte einen Pegel von fast 18 Metern. Das seien 90 Zentimeter über dem Höchststand von 2016.

Der Wetterdienst warnte, die Auswirkungen von Hurrikan Harvey seien beispiellos und überstiegen alle Erwartungen. Die Bürger müssten allen Anordnungen der Behörden Folge leisten. Das Wasser könne Deiche überfluten und möglicherweise brechen, sagte Richter Herbert. Bisher wurden drei Menschen durch die Folgen des Sturms getötet. Harvey war am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit auf das Festland der US-Küste getroffen. Die Intensität des Sturms schwächte sich auf dem Festland ab, das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) stufte ihn vom Hurrikan zum Tropensturm herunter. Doch Harvey brachte enorme Niederschläge mit sich: Binnen 24 Stunden fielen in Houston 60 Zentimeter Regen. Der texanische Gouverneur Greg Abbott sagte, die Zustände seien "schlecht und werden schlimmer".

56.000 Notrufe in 15 Stunden

Das Leben in der Millionenstadt Houston, der viertgrößten Stadt in den USA, ist nahezu lahmgelegt. Der Flugbetrieb an den beiden wichtigsten Flughäfen ist unterbrochen, zwei Krankenhäuser mussten evakuiert werden. Auch die wichtigsten Schnellstraßen waren überflutet. Innerhalb von 15 Stunden wurden in Houston 56.000 Notrufe registriert, sieben mal mehr als üblich. Die städtische Katastrophenschutzbehörde forderte die Einwohner auf, sich aufs Dach zu retten, wenn das oberste Stockwerk ihres Hauses nicht mehr sicher sei.

Die Stadt bot öffentliche Gebäude als Notunterkünfte für Menschen an, deren Häuser überflutet wurden. Auch die Stadt Dallas machte öffentliche Gebäude zu Notunterkünften.

Stärkster Sturm seit zwölf Jahren

Harvey war der stärkste Wirbelsturm auf dem US-Festland seit zwölf Jahren. Im Vorfeld waren Hunderttausende Menschen in Sicherheit gebracht worden. Besonders stark betroffen war zunächst der Küstenort Rockport, wo Harvey vom Golf von Mexiko her kommend auf Land traf. Der Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, sagte dem Sender MSNBC, die Bewältigung dieser Katastrophe werde Jahre dauern. Dem Bundesstaat Texas sagte er "eine beispiellos lange und frustrierende Phase" des Wiederaufbaus voraus.

Das Weiße Haus kündigte am Sonntag an, Präsident Trump werde am Dienstag die betroffenen Gebiete besuchen. Auf Twitter hatte Trump zuvor geschrieben, er werde erst nach Texas reisen, wenn dies "keine Störung" des Katastropheneinsatzes verursache. Der Schwerpunkt müsse "auf Leben und Sicherheit liegen".

Vorsorglich hatte Trump auf Ersuchen von Gouverneur Abbott den Katastrophenfall für Texas ausgerufen. Damit können Bundesmittel zur Behebung der Sturmschäden freigegeben werden.