Die Sicherheitsbehörden rechnen in den kommenden Monaten einem Medienbericht zufolge mit einer Zunahme der Zuwanderung nach Deutschland. Das geht laut einem Bericht der Welt am Sonntag aus einer aktuellen Analyse des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration (Gasim) hervor. Darin heiße es: "Mehrere Indikatoren lassen einen Anstieg der illegalen Migration nach Deutschland in der zweiten Jahreshälfte erwarten." Am Gasim beteiligen sich unter anderem Vertreter der Bundespolizei, des Bundesnachrichtendienstes und Auswärtigen Amtes.

Hintergrund der Einschätzung ist demnach die Anzahl der Überfahrten über das Mittelmeer und das Erreichen der Kapazitätsgrenze in Italien. An italienischen Häfen sind in diesem Jahr bereits mehr als 95.000 Migranten angekommen. Das Land fühlt sich mit der Lage überfordert.

In Deutschland war die Zahl der registrierten illegalen Grenzübertritte verglichen mit dem Vorjahr zuletzt deutlich gesunken. Sie liege dem Bericht zufolge aber noch über dem Niveau des Vergleichszeitraumes im Jahr 2014 vor Beginn der Flüchtlingskrise, heißt es laut Welt am Sonntag in dem Bericht. Im ersten Halbjahr 2017 zählte die Bundespolizei nach eigenen Angaben 24.750 Fälle, in denen Menschen unerlaubt einreisten oder dies zumindest versuchten. Der Großteil der Menschen stellte nach der Ankunft einen Asylantrag.

"Keine Chance auf Asyl"

Mit Blick auf die Zuwanderung über das Mittelmeer forderte Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) eine Unterbringung der afrikanischen Asylsuchenden in Afrika. "Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die sich aus rein wirtschaftlichen Gründen auf den Weg zu uns machen, schon in Afrika zurückgewiesen werden", sagte Schröder der Zeitung. Ihnen müsse klargemacht werden, "dass sie in Europa keine Chance auf Asyl haben und die gefährliche Überfahrt zwecklos ist".

Der "Automatismus", dass jeder, der es auf das Mittelmeer schaffe, auch nach Europa komme, müsse durchbrochen werden, verlangte der scheidende Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium. "Dafür brauchen wir sichere Orte in Nordafrika, in die die Menschen gebracht werden können." In dem Doppelinterview sprach sich seine Ehefrau Kristina Schröder für Flüchtlingsabkommen mit afrikanischen Staaten nach dem Vorbild des EU-Türkei-Abkommens aus. "Im Grunde müsste das so laufen wie mit der Türkei", sagte die frühere Bundesfamilienministerin. Stattdessen sollte man "diejenigen, die wir aufnehmen, unter humanitären Gründen aussuchen".