London - Polizei stuft Vorfall in U-Bahn als terroristischen Akt ein Es habe mehrere Verletzte gegeben, teilte die Londoner Polizei mit. Der Verkehr auf der Linie District Line wurde zwischen Earls Court und Wimbledon eingestellt. © Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa

Freitagmorgen, gegen 8.20 Uhr: Die U-Bahn der District Line von Wimbledon ins Zentrum von London ist wie an jedem Werktag voll mit Pendlern. Es ist die hektischste Zeit der Rushhour. Hunderte von Menschen drängen sich in dem Zug, der einen langen Schlauch bildet.

Die Bahn steht gerade in der oberirdischen Station Parsons Green, als es vorn einen Knall gibt. Flammen schießen über die Köpfe der Menschen hinweg. Panik bricht aus. Hunderte drängen durch die noch geöffneten Türen der Bahn nach draußen und rennen über den schmalen Bahnsteig. Viele stürzen und werden von nachrückenden Flüchtenden niedergetrampelt. Am einzigen Treppenaufgang, der von dem Bahnsteig wegführt, liegen die Menschen "in mehreren Schichten übereinander", erzählt eine junge Frau dem Nachrichtensender der BBC.

Kurz nach dem Vorfall kursieren Fotos und Videos im Internet, auf denen ein weißer Eimer in einer Supermarkttüte zu sehen ist. Er steht in Flammen, rote Drähte sind zu erkennen. Es könnten Aufnahmen des Sprengsatzes sein.

Binnen weniger Minuten ist die Straße vor der Station voll mit Kranken- und Polizeiwagen. Polizisten beginnen, die umliegenden Straßen abzusperren. Auch die Feuerwehr ist im Einsatz. Schwer bewaffnete Polizisten sind auf Livefernsehaufnahmen zu sehen. Mehrere Hubschrauber kreisen über dem Tatort. London ist für einen solchen Vorfall vorbereitet.

Anschlag in London

Noch im Laufe des Vormittags teilen die Behörden mit, sie gingen von einem Terroranschlag aus. Kurz vor Mittag bestätigt Kommissar Mark Rowley von Scotland Yard, dass ein selbstgebauter Sprengsatz für die Explosion verantwortlich ist. 18 Menschen würden in Krankenhäusern behandelt, die meisten wegen Brandwunden. Der nationale Gesundheitsdienst NHS spricht später von 22 Verletzten. Niemand sei schwer verletzt worden, sagt Rowley. Die Antiterrorabteilung der Londoner Polizei habe die Leitung der Ermittlungen übernommen. Der Inlandsgeheimdienst MI5 unterstütze die Ermittler. Die Aufnahmen von Überwachungskameras würden ausgewertet. Rowley bittet Menschen, die etwas über den Vorfall wissen, sich bei den Behörden zu melden, und ruft Augenzeugen dazu auf, der Polizei Videos und Fotos vom Tatort zur Verfügung zu stellen. Die Londoner sollten "aufmerksam" sein, aber nicht in Panik verfallen, fügt er hinzu.

Einige britische Medien berichten, der Sprengsatz habe nicht richtig funktioniert und sei nur teilweise explodiert. Das hätten erste forensische Untersuchungen ergeben. Sollte sich das bestätigen, dann hätte London an diesem Tag auch Schlimmeres erleben können. Später heißt es, der Sprengsatz sei mit einem Zeitzünder versehen gewesen.

Die Südafrikanerin Gillian Wixley sagt dem Guardian, sie sei etwa acht Sitze entfernt gewesen, als der Sprengsatz explodierte. Auch sie bestätigt, dass die Explosion eher schwach gewesen sei. "Das war keine große Explosion, sondern eher ein Knall. Und dann kam das Feuer. Das ist alles sehr schnell passiert." Sie beschreibt ebenfalls das Gedränge auf dem Bahnsteig. Viele Menschen hätten geschrien oder Tränen in den Augen gehabt.

Sprengsatz in London - »Wir untersuchen einen sehr ernsten Zwischenfall« Die Londoner Polizei hat die kleine Explosion in einer U-Bahn als terroristisch eingestuft. Einem Medienbericht zufolge wurde der Sprengsatz nicht vollständig gezündet. © Foto: Daniel Leal-Olivas/AFP