Irlands Regierung hat für den kommenden Sommer ein Referendum angesetzt, in dem die Iren über das Abtreibungsgesetz abstimmen können. Im Mai oder Juni 2018 soll die Abstimmung für oder gegen eine Legalisierung von Abtreibungen "in fast allen Fällen" stattfinden.

Bisher regelt der achte Zusatzartikel der Verfassung die Gesetzeslage. Dieser Artikel schreibt ein gleiches Recht für Ungeborene fest. Damit ist der Abbruch einer Schwangerschaft bisher nur erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Selbst nach einer Vergewaltigung ist eine Abtreibung in Irland verboten. Bestellt eine Frau eine Abtreibungspille im Internet, drohen ihr bis zu 14 Jahre Haft.

Seit 1983 ist das Abtreibungsverbot in der irischen Verfassung verankert. Der Premierminister Leo Varadkar, der seit Juni dieses Jahres im Amt ist, bezeichnete die Gesetzgebung erst kürzlich als "restriktiv". Der UN-Menschenrechtsausschuss hatte die irische Regierung im Juli aufgefordert, die Gesetzgebung zu überarbeiten und den achten Zusatzartikel aufzuheben. Die geltenden Abtreibungsgesetze bezeichnete das Gremium als "grausam, unmenschlich und erniedrigend".

Unter dem Schirm der Organisation Abortion Rights Ireland fordern Aktivisten seit Jahren eine vollständige Aufhebung des achten Zusatzartikels in der Republik Irland und eine richtige Gesetzgebung für Nordirland. Auch dort droht Frauen nach einer Abtreibung Strafverfolgung. Die Aktivisten schildern Fälle von selbstmordgefährdeten Frauen, denen eine Abtreibung verweigert worden sei, weil Ärzte die Gefährdung nicht als hoch genug einschätzten. Jährlich müssten Tausende Frauen ins Vereinigte Königreich reisen, um eine Abtreibung durchführen zu können. Die Kosten von bis zu 4.000 Pfund für medizinische Behandlung, Anreise und Unterbringung müssen die Frauen selbst tragen.

Die Ankündigung eines Referendums erfolgte vor dem jährlichen March of Choice, einem Protestmarsch von Befürwortern einer Lockerung der Abtreibungsgesetze, der am Samstag zum sechsten Mal in Dublin stattfindet.

Irland ist vorwiegend katholisch, der Einfluss der Kirche nimmt jedoch ab. 2015 stimmten die Iren in einem Referendum für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe.