Drei Monate nach der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower hat die öffentliche Untersuchung am Donnerstag begonnen. In der Nacht zum 14. Juni waren mindestens 80 Menschen durch den Brand im Wohnhochhaus gestorben. Einige Bewohner gelten immer noch als vermisst.

Der Leiter der Untersuchung, Martin Moore-Bick, versprach "Antworten auf drängende Fragen". Es gelte, zu klären, wie eine "Katastrophe dieses Ausmaßes im London des 21. Jahrhunderts" passieren konnte. Er würdigte die "Tapferkeit und Widerstandsfähigkeit" der Anwohner im betroffenen Stadtteil und äußerte persönliche "Betroffenheit und Trauer". Ein Zwischenbericht sei ab Ende März kommenden Jahres zu erwarten.

Grenfell Tower - Kommission soll Brandursachen untersuchen Drei Monate nach dem Brand in einem Londoner Wohnhaus soll eine Kommission die Ursachen für das Unglück herausfinden. Mindestens 80 Menschen waren bei dem Brand ums Leben gekommen. © Foto: Tolga Akmen/Reuters

Nach derzeitigem Erkenntnisstand war das Feuer durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst worden. Ausbreiten konnten sich die Flammen über die leicht entzündliche Fassadenverkleidung des Gebäudes. Der Brandschutz und mögliche Versäumnisse der Behörden werden im Zentrum der Untersuchungen stehen. Bewohner des Hauses – vor allem Geringverdiener und Migranten – sollen die Behörden vor dem Brand über die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen informiert haben. Das Gebäude verfügte über keine zentrale Sprinkleranlage.

Nach dem Feuer im Grenfell Tower war es in London mehrfach zu Protesten und Demonstrationen gegen Behörden und Regierung gekommen. Die britische Premierministerin Theresa May hatte den Betroffenen Unterstützung in Höhe von rund 5,7 Millionen Euro zugesichert und Behördenversäumnisse eingeräumt. Die Bewohner von rund 200 Haushalten waren durch das Feuer obdachlos geworden. Etwa 600 Menschen werden seit dem Brand psychologisch oder seelsorgerisch betreut.