Knapp sechs Milliarden Dollar will US-Präsident Donald Trump für die Opfer des Tropensturms Harvey beantragen. Tom Bossert, Nationaler Sicherheitsberater im Weißen Haus, teilte mit, die entsprechende Anfrage werde vorbereitet und in Kürze vor den US-Kongress gebracht. Mit dieser Summe solle die Finanzierung der Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen vorerst gesichert werden. 

Die Kosten, die Harvey verursacht hat, werden vermutlich wesentlich höher liegen: Rund 100.000 Haushalte sind durch den Sturm geschädigt worden, mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Immer noch gebe es Menschen, "die hüfthoch im Wasser stehen", sagte Bossert, sechs Tage nachdem der Hurrikan das Festland in Texas erreicht hatte. Problematisch sei auch, dass viele der Betroffenen nicht oder nur unzureichend versichert seien. Bossert sagte jedoch: "Es ist genug Geld vorhanden." Der staatlichen Flutsicherung stünden ausreichend Finanzmittel zur Verfügung.

Donald Trump wolle, wie seine Sprecherin Sarah Sanders angekündigt hatte, eine Million Dollar aus seinem Privatvermögen für den Wiederaufbau spenden. Am Samstag reist der Präsident zum zweiten Mal in das Katastrophengebiet. Sein Stellvertreter Mike Pence hatte am Donnerstag die betroffenen Regionen besucht und versichert, dass das amerikanische Volk an der Seite der Texaner stehe.

Mehr Regen als je zuvor

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte bereits angekündigt, der Bundesstaat werde womöglich mehr als 125 Milliarden Dollar Hilfe aus Washington benötigen. Harvey hatte heftige Regenfälle verursacht, in Texas waren in manchen Gegenden bis zu 1.250 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – mehr als jemals zuvor auf dem Festland der Vereinigten Staaten. Durch die zufließenden Wassermassen waren zahlreiche Flüsse und Stauseen über die Ufer und Dämme getreten. Mit Houston ist die viertgrößte Stadt der USA betroffen.

Mittlerweile wurde Harvey vom US-Hurrikan-Zentrum zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herabgestuft. Die Industrie in Texas nimmt nach und nach den Betrieb wieder auf: Der Hafen der Stadt Corpus Christi etwa soll bis Montag wieder nutzbar sein, dort werden täglich Güter im Wert von 100 Millionen Dollar umgeschlagen. Ein Experte der US-Notenbank prognostizierte eine nur kurzfristige Schwächung der Wirtschaftsentwicklung des Landes durch Harvey.

Feuer nach Explosion in Chemiefabrik gelöscht

Im Nordosten von Houston ist der Brand in einem Chemiewerk mittlerweile gelöscht. Eine vollständige Entwarnung gaben die Behörden noch nicht, da wegen ausgefallener Kühlanlagen immer noch Chemikalien explodieren könnten. Am Donnerstagmorgen war nach einer Explosion Feuer in einem Container auf dem überfluteten Fabrikgelände ausgebrochen. Nach Angaben der Feuerwehr und des Fabrikbetreibers Arkema handelte es sich um organisches Peroxid, das unter anderem bei der Herstellung von Medikamenten und Plastikmaterial zum Einsatz kommt. Peroxide sind leicht entflammbar und müssen bei niedrigen Temperaturen gelagert werden.

Texas - Untersuchungen zu Explosion in Chemiewerk In einer überfluteten Chemiefabrik nordöstlich der Millionenstadt Houston sind nach einem Stromausfall Tanks explodiert. Dabei seien ungeheuer gefährliche Dämpfe ausgetreten, warnte die nationale Katastrophenschutzbehörde der USA. © Foto: Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Die nationale Katastrophenschutzbehörde Fema hatte nach den Explosionen zunächst von "ungeheuer gefährlichen Dämpfen" gesprochen, der Sheriff der Region Harris County hatte jedoch mitgeteilt, dass der Rauch ungiftig sei. Auch die US-Umweltbehörde sah keine Anzeichen für ein gefährliches Ausmaß freigesetzter Giftstoffe. 200 Anwohner waren aus dem betroffenen Gebiet in Sicherheit gebracht worden.