Donald Trump gefällt sich gut in der Rolle des Krisenpräsidenten. Schon als Hurrikan Harvey über Texas hinwegzog, stieg er mit Baseballmütze und Regenjacke auf einen Feuerwehrlaster, um eine markige Ansprache zu halten. Auch am Montag, am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, gab er sich alle Mühe, Entschlossenheit zu demonstrieren. Geld interessiere ihn nicht, sagte er, auf die Lage nach Hurrikan Irma in Florida angesprochen. Ihm gehe es alleine darum, die Leben seiner Mitbürger zu retten. 

Trump sieht sich noch immer als Star einer Reality-Show, doch der zur Schau gestellte Pragmatismus im Angesicht einer nationalen Katastrophe war tatsächlich mehr als nur reine Propaganda. Bislang hat sich der Präsident rund um die Desaster-Zwillinge Harvey und Irma als vergleichsweise tatkräftig erwiesen.

Da war natürlich in der vergangenen Woche der Deal mit den Anführern der demokratischen Partei im Parlament, der kurzfristig die Finanzierung der Krisenbewältigung sicherte. Insgesamt 30,5 Milliarden Dollar machte der Kongress für die Opfer in Texas, Louisiana und Florida locker, sogar die nationale Schuldenschranke war Trump, sehr zum Ärger seiner Parteigenossen, bereit anzuheben.

30 Milliarden Dollar für die Notversorgung

Damit erhielt Trump zunächst einmal die nationale Katastrophenschutz-Behörde Fema handlungsfähig. So standen die Mitarbeiter der Behörde, deren Reputation noch immer unter dem Versagen nach Hurrikan Katrina vor zwölf Jahren leidet, am Montag in Alabama einsatzbereit, um den Menschen von Florida zur Seite zu stehen. Siebeneinhalb Millionen Mahlzeiten waren aufgeladen, anderthalb Millionen Liter Trinkwasser, provisorisches Abdeckmaterial für abgerissene Dächer, Medikamente, medizinische Geräte sowie Generatoren für die Millionen von Haushalten, deren Stromversorgung unterbrochen ist

Ob die vorläufig 30 Milliarden Dollar für die Notversorgung nach dem Sturm ausreichen, kann zu diesem Zeitpunkt freilich noch niemand absehen. In den acht Jahren der Obama-Regierung kosteten Naturkatastrophen den Bund durchschnittlich 16 Milliarden Dollar. Nach dieser Kalkulation wäre genug Geld für Fema da, um Harvey und Irma zu bewältigen. Allerdings geht man davon aus, dass die beiden Hurrikane deutlich mehr Schaden angerichtet haben als sämtliche Katastrophen seit Katrina im Jahr 2005. 

Die Trump-Regierung steht insgesamt, was die unmittelbare Krisenintervention angeht, recht ordentlich da. Trumps Fema-Direktor, Brock Long, bekam von allen Seiten Lob für die Koordination der Hilfen in Texas. Anders als etwa George W. Bushs Fema-Chef, Michael Brown, dem der Posten lediglich wegen seiner Verbindungen zugeteilt wurde, ist Brock kompetent und erfahren. Bevor er nach Washington ging, leitete er den Katastrophenschutz in Alabama. "Der Mann kennt sich mit Tropenstürmen aus", bescheinigte ihm sein Vorgänger, Obamas Fema-Direktor Craig Fugate. 

Doch die Optik kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Trump-Regierung nicht darauf eingestellt ist, die zerstörten Gemeinden in Texas und Florida tatsächlich wieder aufzubauen. Von Prophylaxe gegen die sicherlich immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen ganz zu schweigen. 

Die Anstrengung dauert Jahre

So rechnete kürzlich Lars Anderson, Fema-Berater während der Obama-Regierung, vor, dass es Hunderte von Millionen Dollar kostet, nach einer Naturkatastrophe den Betroffenen wieder ihr altes Leben zurückzugeben. Die Anstrengung dauert Jahre bis Jahrzehnte und bedarf der Koordination mehrerer Regierungsbehörden. Nach Hurrikan Sandy im Jahr 2012 etwa hatte die größte Last des Wiederaufbaus nicht Fema getragen, sondern die nationale Wohnungsbehörde HUD und die nationale Transportbehörde. 

Ein solch umfassender Katastrophenschutz interessiert Trump jedoch nicht im Geringsten, das hat seine Regierung nur Wochen vor den jüngsten Naturkatastrophen mit seinem Haushalt bewiesen. In dem Haushalt strich Trump sämtliche Mittel für langfristigen Katastrophenschutz, die nach dem nationalen Versagen während Katrina bewilligt wurden. 

So wurde Geld für die genauere Vorhersage von Stürmen ebenso gekürzt wie für die Erstellung von Flutungskarten. Die Wohnungsbaubehörde, die für den Wiederaufbau verantwortlich ist, muss dramatische Kürzungen hinnehmen. Das Landwirtschaftsministerium verliert 114 Millionen Dollar für die Unterstützung von Bauern nach Naturkatastrophen. Die staatliche Flutversicherung für Heimeigner büßt 190 Millionen Dollar ein. 

Vor allem hat Trump sämtliche Bemühungen Obamas konterkariert, dauerhafte Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels einzuführen. Bislang wurden Bauprojekte in Küstengegenden gefördert, die flutsicher sind. Das hat nun ein Ende. Die Opfer von Harvey und Irma müssen sich also auf einen harten Weg einstellen. Wenn die Kameras weg sind und die Welt nicht mehr über sie spricht, fängt erst ihre wirkliche Katastrophe an. Und auf Donald Trump als Anpacker sollten sie sich dann lieber nicht verlassen.